Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.) Z41
Krieges unbekannte, wie unter den Schriftstellern Heinrich Bnlow,nicht selten verfällt; auf dem Wahn nämlich, daß man eine, odernach Gelegenheit auch mehrere Schlachten verlieren könne, ohne sichnachher Physisch und moralisch irgend schlechter zu befinden als vor-her; daß man auch mit geschlagenen Truppen ohne Weiteres Allesund Jedes ausführen könne, was man allenfalls mit siegreichenwagen dürfte. Als ob Soldaten Schachsteine wären, deren Selbst-vertrauen allerdings durch eine verlorene Partie nicht erschüttert wird!
Dennoch aber verräth das Verfahren dieser Generale in seinereigenthümlichen Form, nur allzusehr, wie locker und unhaltbar alleVerhältnisse des Heerbesehls bereits geworden waren'ft.
Die Verbündeten hatten, so weit sich nachrechnen läßt, gegen80,000 Mann in das Gefecht gebracht. Man kämpfte also, nachdemdie Oesterreicher ihre anfängliche Ueberlegenheit nicht benutzt hatten,zuletzt mit ziemlich gleichen Kräften. Die österreichische Armee hattesich im Ganzen gut geschlagen, doch aber, neben 6000 Todten undVerwundeten, auch hier wieder viele Gefangene verloren, nämlich4000; ein Umstand, der nie günstig gedeutet werden kann, hier aberdeshalb sehr bedenklich aussehen mußte, weil sich ergiebt, daß dieGefangenen meist Italiener und Ungarn waren, die beiderseits nichtungern in Gefangenschaft fielen, und ihr sogar, wie Augenzeugen be-richten, nicht selten freiwillig entgegengingen!
Ueber die folgenden Kriegsereignisse müssen wir flüchtiger hin-weggehen; theils dürfen wir die Grenzen nicht überschreiten, die unsan diesem Orte gesteckt sind; theils sind die Ereignisse in ihren Einzeln-heilen noch nicht hinreichend aufgeklärt.
Mailand mußte nun so eilig geräumt werden, daß man nichtZeit behielt, die Eisenbahn dorthin zu zerstören, und 41 Kanonenim Castell stehen ließ. Der Rückzug ging auf der sogenanntenunteren Straße, den Po entlang, nach dem Mineio, wobei Benedeck(am 8. Juni), bei Melegnano aufgestellt, ihn zu decken, gegen denzur verbündeten Hauptmacht herangezogenen Baraguay d'Hilliersund Mac-Mahon ein unglückliches Gefecht bestand. Auf demRückzug, wie schon früher, zeigte sich die österreichische Heeresver-waltung in ihrer alten, schwerfälligen Unbehülslichkeit; die Truppendarbten im reichen Lande, und alle Zeugen berichten einstimmig,daß die Hospitäler sich in einem sehr ungenügenden Zustand besän-