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der Unschuld." Denn er darf nur sehen, nicht aber sichrühren; kaum hat er den Genuß der Augen gehabt, sokommt der Graf, der von dem Vorgegangenen nichts ahnt,um von seinen Rechten Gebrauch zu machen.
Das Ehepaar lebt in Paris. Jeronimo, der Bruder desGesandten, der von diesem systematisch ruinirt worden, machtder Schwägerin den Hof. Wally wird durch ihren Gattenvor der tollen Leidenschaft des Bruders gewarnt. Der Gattewird zärtlich, aber nur mit Worten, schließlich raubt er ihreine Locke, um sie, wie er sagt, mit Küssen zu bedecken. „Sieerbleichte, denn jetzt war ihr dieser Mann erst im Lichte einesGatten erschienen. Welch ein Bild! Ein Narr! Eine schwer-fällige Gestalt! Ein Ungethüm, das einen falschen Bart trug.Ein Geizhals, der selbst in Worten sparte und nie umsonstredselig war. Eine hülflose Phantasmagorie, die ein Lichtin der Hand trug und vor ihr stand, leibhaftig, als hätte sieeinen Mann von vierzig Jahren gesehen! Sie wischte anihrem Antlitz, das er berührt hatte. Sie lüftete das Bett,um es von den unkeuschen Worten zu reinigen, die hinein-gefallen waren, denn es stand offen."
Wally stürzt aus ihrem Wagen, wird von Caesar ge-rettet; dieser aber läßt sich nicht bei ihr sehen. Sie wirdkrank; „drei Wochen hindurch war der Wächter des Bewußt-seins vom Thor der Vernunft verschwunden." Während dieserKrankheit wird Jeronimo von ihr entfernt. Endlich kommtCaesar zu ihr, oder wie der Autor sagt: „eine unangemeldeteHand riß die Thür des Zimmers auf und stürzte mit freu-digem Gruß zu Wallys Füßen." Nach einer zärtlichen Unter-redung, in der Liebkosungen nicht gespart werden, will Caesarden Gesandten zur Rechenschaft ziehen, weil der Gatte in dieRechte des Liebenden eingegriffen; der Provocirte weigert sich
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