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Das Junge Deutschland und die preussische Censur : nach ungedruckten archivalischen Quellen / von Ludwig Geiger
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qualifiziren zu müssen geglaubt hat, aus dem moralischenund religiösen Bedürfniß entstanden, jenen Sittlichkeitspunkt,welcher in erstarrter oder'gemißbrauchter Form seine Wahr-heit zu verlieren schien, ins Leben und in die Wahrheit zubringen, durch freie Wendung desselben nach neuen Seiten derBetrachtung. Ich kann also sehr wohl versprechen, daß ich meineSchriften moralisch und religiös zu halten bestrebt sein werde.

Hoffentlich wird dies in Zukunft der Behörde zu meinenGunsten um so einleuchtender werden, je mehr sich mir dieNeigung für Stoff und Form solchen Richtungen und Fassungenzugewendet hat, welche weniger der Mißdeutung ausgesetztsind. In Betreff des politischen Punktes, welcher zu demVorausverbot meiner Schriften beigetragen hat, kann ich Er-klärung und Versprechen noch enger begrenzen: Sinn undAusdruck meiner Bücher war im Jahre 1835, als das Verbotderselben für Vergangenheit und Zukunft mich betraf, vonder Art, daß die nach der jetzt geltenden Verfügung freiergewordene Censur nichts daran auszusetzen haben würde.Mein Streben in diesem Bereich war und ist, das Vaterlandauf loyalem Wege in jenen Formen befestigen zu helfen,welche, von freisinnigen, aber nicht willkürlichen Gesichts-punkten aus betrachtet, die Summe desjenigen in sich dar-stellen, was im gebildeten Europa für zeitgemäß der Ent-wickelung nationaler Macht und starken Regiments für er-sprießlich, und was abgestufter, aber ausgedehnter Beiwirkungder ihres engeren oder weiteren Wirkungskreises sich bewußtenStaatsangehörigen unter monarchischer Oberherrschaft fürförderlich angesehen wird. In diesem Sinne, der im Wesent-lichen mit den maßgebend gewordenen Aeußerungen unseresKönigs übereinstimmt, kann ich versprechen und versprecheich bereitwillig, meine Schriften zu halten."