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Das Junge Deutschland und die preussische Censur : nach ungedruckten archivalischen Quellen / von Ludwig Geiger
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Staaten verboten. Mit strenger Censur wurde fünf Jahrehindurch diese Maßregel ausgeführt. Meine Schriften wurdennur nach einer in Berlin bestandenen Recensur zum Debitzugelassen.

Fünf Jahre nach dem Verbot trat größere Milde ein.Man durfte meine Schriften wenigstens mißbilligen, wenig-stens widerlegen, man durfte sie wenigstens tadelnd erwähnen.Auch wurde eine von mir redigirte Zeitschrift allmählich zu-gelassen. Seit der Thronbesteigung Sr. Majestät des jetztregierenden Königs schienen 6s tasto die letzten vorhandenenEinschränkungen ein Ende nehmen zu wollen. Die Verwaltungund Tendenzen hatten sich geändert. Es verlautete vonBerlin, daß einige der mit mir in gleicher Lage sich befinden-den Autoren sich unter gewissen Bedingungen einer voll-kommenen Befreiung von allen früheren Einschränkungen zuerfreuen gehabt hätten.

Mir find diese Bedingungen nie vorgelegt worden.Vielleicht mochte es unnöthig erscheinen, da meine schrift-stellerische Thätigkeit sich fast ausschließlich der Bühne zuge-wendet hatte und dadurch eine einheimische Censur derselbenvon selbst involviert war. Auch ich glaubte, hoffen zu dürfen,daß jene vor acht Jahren gegen mich nothwendig erschienenenMaßregeln jetzt vergessen sind.

Nun sehe ich aber, daß dies nicht der Fall ist. DerKölner Censor strich meinen Namen von einem meinerBühnenstücke und ließ ihn erst zu, als er sah, daß das-selbe Stück auf der kgl. Bühne von mir selbst in Scene ge-setzt worden.

Bon einer Sammlung ,Briefe aus Parisfi die ich imvorigen Herbst in Leipzig drucken ließ, ist in Preußen derVerkauf zugelassen, die Ankündigung aber nicht.