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Das Junge Deutschland und die preussische Censur : nach ungedruckten archivalischen Quellen / von Ludwig Geiger
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Ich kann auf Ihren Antrag nicht eingehen ... Eskommt nicht darauf an, wie eine solche Forderung der Ga-rantie für das künftige Verhalten dieser Klasse von Schrift-stellern und Zeitungsschreibern beurtheilt wird, aber wesent-lich darauf, daß Jene, wenn sie wieder in ihre alten Wegezurückfallen, dann zugleich als Wort- und treubrüchig auch vorihren Genossen selbst erscheinen müssen. Der verständige undwohlgesinnte Theil des Publikums wird der Konsequenz, wo-mit dieser Gesichtspunkt aufrechterhalten wird, seine An-erkennung nicht versagen und dankbar dafür sein."

Demgemäß wurde der Bundesgesandte Sydow in Berlininstruiert, Verhandlungen mit Gutzkow aufzunehmen. Diesgeschah. Das Schreiben des Gesandten ist erhalten undbringt die Aeußerungen Gutzkow's dem Beamten gegenüberin folgender Form (2. Mai):

Wie vieldeutig auch der Sinn der Worte Religion,Staatsverfassung und Sittengesetz in unsrer Zeit und wievieleinnere Kämpfe daher durch ein Versprechen wie das in Redestehende auch hervorgehen, wie leicht der Versprechende, ohnees zu wollen, mit der Deutung des Versprochenen gegen dieRegierung in Widerspruch gerathen könnte, so machen dochUeberzeugung und Empfindung ihn bereit zu einem solchenVersprechen. Aber dessenungeachtet sehe er sich aus äußerenGründen verhindert, ein solches in der verlangten Weise ab-zulegen. Er habe seit der tumultuarischen Zeit, in welcherer durch widrige Umstände aus seiner natürlichen Entwicklungherausgerissen und in eine, dem Bestehen feindliche Richtunghineingeworfen war, auf mannigfache Weise zu bethätigengesucht, daß seine Ansicht eine andere geworden. Allerdingssei er ein freisinniger Schriftsteller und wolle dies bleiben.Aber er habe in die Geleise des Bestehenden wieder ein-