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Das Junge Deutschland und die preussische Censur : nach ungedruckten archivalischen Quellen / von Ludwig Geiger
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gelenkt. Davon lege seine ganze schriftstellerische Thätigkeitin den letzten Jahren ein, wie er glaube, unwiderleglichesZeugniß ab.

Um sicherer und leichter Konflikte zu vermeiden, habe ersich der Bühne zugewendet. Eine wesentliche ästhetische Ver-besserung derselben zu erzielen, sei jetzt seine Lebensaufgabe.Er habe dabei viel trübe Erfahrungen gemacht, aber dabeizugleich die Befriedigung gewonnen, seine Stücke sowohl aufdem Königlichen Theater in Berlin, als auf dem Hofburg-Theater in Wien ohne alle Veränderungen aufgeführt zusehen. In Berlin sei ihm auch persönlich viele Anerkennungzutheil geworden.

In seinen ,Briefen aus Paris* habe er seine nationaleGesinnung und seine Abneigung gegen die radikale Parteioffenkundig dargelegt.

Auch für den .Telegraphen*, an dessen Leitung er übrigensnur noch theilnehme, weil er der Einnahme dafür für seinenund seiner Familie Unterhalt nicht entbehren könne, habe erin veränderter Weise mitgearbeitet. Diese seine Einlenkungsei ihm vielfach verdacht worden; noch neuerlich habe einAufsatz über Preßfreiheit (in welchem er nachgewiesen, daßdie Preßfreiheit nicht der Vorläufer freier Institutionen,sondern deren Blüthe sein müsse, und daß dieselbe daher inDeutschland jetzt nur zerstörend wirken könne), ihm dieheftigsten Anfeindungen aller Leipziger Literaten zugezogen.Er sei, da sein Wunsch unerfüllt geblieben, in Berlin einesichere Existenz, ein Feld für seine literarische Thätigkeit zufinden, zu seinem Bedauern auf das große Publikum, auf dieMasse angewiesen; bei dieser setze er seine ganze Stellungaufs Spiel, wenn er die verlangte Erklärung abgäbe, undwenn, wie dies so leicht geschehen könnte, diese von seinen