Buch 
Aus König Friedrich Wilhelms IV. gesunden und kranken Tagen / von Alfred von Reumont
Entstehung
Seite
200
JPEG-Download
 

200

VI. Die schönen Künste.

italienische Renaissance mit dem Basiliken - Stil abwechselt,wie denn überhaupt der protestantische Cultus keineswegsder überwiegenden Hinneigung zur Gothik Raum giebt, wiesie heute und wol mit Recht beim katholischen Kirchenbauvorwaltet. Ich gestehe offen, daß die Jakobikirche auf demjetzt mehr und mehr bebauten Köpenicker Felde in ihrerganzen schlichten Erscheinung als .altchristliche Basilika mirden allererfreulichsten Eindruck macht, während sie nach meinerAnsicht den Beweis liefert daß auch mit mäßigen Mittelnein würdiges Werk ausgeführt werden kann. Stülers Her-zensneigung war für die Renaissance, welche er in ihren ver-schiedenen Epochen und Formen, von ihrer Anlehnung angermanischen und romanischen Stil bis zu ihrem Ueüergangin den modernen mit ungewöhnlicher Beherrschung ihrergroßen Mittel umfaßte und zur Anwendung brachte. Hierinspricht sich seine künstlerische Eigentümlichkeit aus, und wiees das Wesen der Renaissance ist, antike Elemente mit mittel-alterlichen unter Vermeidung ihrer Kontraste zu einem har-monischen Ganzen zu verbinden, so ist bei unserem Meisterüberall das Bestreben sichtbar, diese wahre Harmonie zu er-reichen, die nicht aus einem willkürlichen Zusammenwürfelndes Ungleichartigen, sondern aus der vermittelnden Entwick-lung des Verwandten hervorgeht. Wie Stüler dies auf-gefaßt und ausgeführt hat, zeigen seine bedeutenden Bau-werke an manchen Orten, in denen die Renaissance den Reich-tum und die Mannigfaltigkeit ihrer Motive je nach demZwecke des einzelnen Werkes zur Anwendung gebracht hat.Dazu gehören das Neue Museum und die Orangerie vonSanssouci, die stolze Zollerburg, welche ihre Thürme undSpitzen von beherrschender Höhe aus über die gewellte Ebene