Buch 
Aus König Friedrich Wilhelms IV. gesunden und kranken Tagen / von Alfred von Reumont
Entstehung
Seite
205
JPEG-Download
 

VI. Die schönen Künste.

205

in Abrede stellen daß Schönes und Werthvolles erreichtworden ist. Friedrich Wilhelm IV. hat diese Arbeiten größ-tentheils nicht vollendet gesehen, aber er hat die Freude ge-habt in den schönen Räumen des in früher nie gesehenerGroßartigkeit und Harmonie wiederhergestellten Stammsitzesseiner Ahnen zu wandeln und deren Geschicke auf sichererGrundlage zu ermessen. Stillfried war zugleich Gelehrter,in gewissem Sinne Künstler und Hofmann. Er ist im Laufder Jahre durch seine Beziehungen zu der fürstlichen Familievon Sigmaringen zuerst zum portugiesischen, dann zumpreußischen Grafen aufgestiegen und hat, ein Viertel Jahr-hundert nach dem Tode seines königlichen Gönners, alsOberburghauptmann des Schlosses Hohenzvllern, Ober-ceremonienmeister und Vorstand des Heroldsamtes, fürwelches seine Kenntnisse unschätzbar waren, ein langes undthätiges Leben geschlossen, um bis zuletzt mit BernhardKugler für die Popularisirung der Geschichte des Hausesdem er so viele Jahre gewidmet hatte, zu wirken.

Noch ist der beiden größten deutschen Meister der Plastikund Malerei nicht gedacht worden, und doch stand der Einederselben dem Könige näher als die Meisten der Zeit.Christian Rauch war nicht als Preuße geboren, aber durchseine Stellung in zwei Perioden seines Lebens ist er wieWenige zum Preußen geworden, indem er das Preußentumim Leben wie in der Kunst mit allgemeinen Anschauungenzu verbinden gewußt hat. Auch er hat zu denen gehörtwelche Friedrich Wilhelm IV. gewissermaßen von seinemköniglichen Vater übernommen hat, aber der König ist esdoch gewesen dem der Künstler die Ausführung seines größtenWerkes nach seiner ursprünglichen Conception verdankt. Man