Buch 
Aus König Friedrich Wilhelms IV. gesunden und kranken Tagen / von Alfred von Reumont
Entstehung
Seite
251
JPEG-Download
 

VII. Berliner Gesellschaft 18431846.

251

zu schaffen. Es war Alexander von Sternberg. den ich baldnach meiner Ankunft im Jahre 1843 daselbst kennen lernte,und welchen das Interesse, welches die Frau GroßherzoginGroßfürstin von Weimar einmal an ihm genommen, mächtigfördern zu müssen schien. Aber in seinem novellistischenTalent war etwas was nicht in die rechte Tiefe ging undihn nie zu rechter Lösung gelangen ließ. in seinen Ansichtenund Lebensanschauungen war etwas Schillerndes, was anwahrem Ernst zweifeln ließ. selbst bevor sie sich auf einenschlüpfrigen Boden verloren, von welchem aus sich üble Nach-rede über seine Lebensweise verbreitete, die mit mancherleiUnordnungen vereint ihm beinahe die Thüren verschlossen.Seine historischen Romane und Charakterschilderungen sinddurchaus willkürlich und wissentlich unwahr.

In diesen Jahren trat in der berliner Gesellschaft häufigein Mann auf. dessen Stellung. Geschicke und geistige Gabendie öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen geeignet waren.Dieser Mann war Felix Lichnowski. welcher, obgleich erstein Dreißiger, schon auf ein ereignißreiches Leben zurück-blickte. In Rom war ich im Winter 1842/43 mit seinemVater dem Fürsten Eduard Maria namentlich im Spaur'schenHause fast täglich zusammengetroffen. Nicht gewöhnliche gei-stige Eigenschaften zeichneten Letztem aus. Seine Geschichte desHauses Habsburg. welche er inmitten der RegierungszeitKaiser Maximilians nicht ferne von dem beabsichtigten Ab-schluß unvollendet zurückließ, entspricht dem heutigen Standeder Forschung nicht mehr, und ist auch wol, ungeachtetfleißiger Forschung, nie ohne ernste Mängel der Kritik wieder Darstellung gewesen. Aber der Verfasser war ein Mannvon scharfem Geiste und lebensvoller Auffassung und wie er