VII. Berliner Gesellschaft 1843-1846.
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einfach und zwanglos, auch wenn fürstliche Gäste zugegenwaren, wie es mit den mecklenburgischen beider Linien, denbaierischen, den anhaltischen, dem Herzog von Braun-schweig u. A. wiederholt geschah. Häufig wurde Abendsvorgelesen, wobei freilich fremder Besuch nicht selten störte.So wurde z. B. im März 1844 eine Vorlesung Carl Rittersüber die oberen Nilgegenden in der Mitte unterbrochen. Am25. Juli desselben Jahres war ich Abends im Schlosse, woder Domchor mehre Choräle mit der Virtuosität ausführte,welche dieses Institut mit Recht berühmt gemacht hat. DieMajestäten waren von Sanssouci in die Stadt gekommenum am folgenden Morgen nach Erdmannsdorf und späternach Jschl zu reisen. Der Minister von Bodelschwingh, GrafWilhelm Redern, Herr von Massow u. A. waren zugegen,von Damen blos die zum Hofe gehörigen. Der König warsehr heiter und das Gespräch berührte Manches aus meinerengeren Heimat. Am folgenden Morgen bei der Abfahrtfeuerte der vormalige Bürgermeister Tschech unter demSchloßportal zwei Kugeln auf den Wagen ab, von denendie eine den König auf der Brust traf, die andere den Hutder Königin streifend in die obere Decke des Wagens ein-schlug. Das Attentat hinderte die Abfahrt nicht; auf demschlestschen Bahnhof angelangt, legte der König den Mantelab und Oberst Graf Brühl knöpfte ihm Rock und Westeaus, worauf die Kugel zu Boden fiel, welche eine leichte imAugenblick nicht bemerkte Contusion hervorgebracht hatte.Ohne die Falten des Mantels wäre der König wahrschein-lich verloren gewesen. Mau weiß welchen Eindruck dieserMordanfall in der Hauptstadt und bald darauf im ganzenLande machte. Ausgenommen in Paris, waren Verbrechen