Band 
Erster Band.
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Die Bevölkerung des fränkischen Reiches.

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fügen, besonders als D ag o b ert I. die Barern (630) zwang, 9000 vor den Awaren zu ihnengeflohene Bulgaren niederzumetzeln. Noch in demselben Jahre aber geriet Dagobert in einenKrieg mit dem mächtigen Samo, einem Franken von Geburt, der, als Krämer unter denWenden reisend, sich gegen die räuberisch einfallenden Awaren an ihre Spitze gestellt und siebefreit hatte und jetzt als ihr Herzog über Böhmen und dessen Nachbarländer von der Spreebis zur Donau gebot. Als nun der übermütige Frankenkönig wider Erwarten von Samo'sTruppen geschlagen wurde und nach ihm die Schwäche des Reiches stets zunahm, da machtensich die Thüringer unter ihrem. Herzog Radnlf wieder unabhängig, und auch die Baiernund Sachsen folgten ihrem Beispiel, so daß damals Deutschland hätte frei und selbständigwerden können, wenn das Volk dafür einen Sinn und eine etwas größere Macht besessen hätte.Aber Slawen und Franken engten es schleunigst wieder ein, und bald erschienen die Karolingerauf der Bühne der Geschichte, denen das kleine und uneinige Stammland der Germanen un-geachtet der Tapferkeit seiner Bewohner nicht widerstehen konnte.

Außerhalb Deutschlands und Britanniens, dem die Römer den Rücken gekehrt, sowieSkandinaviens, das sie nie gesehen hatten, war es in allen Ländern, welche infolge derVölkerwanderung von Germanen besetzt worden, eine Hauptaufgabe derselben, mit der älternBevölkerung sich auseinanderzusetzen und zu vertragen. Diese in allen jenen Ländern, wenigstensin den Städten und unter den gebildeteren Ständen lateinisch sprechende (in Gallien meist keltische)Bevölkerung wurde wegen dieses Umstandes und ohne Rücksicht auf ihre Abstammung als einerömische bezeichnet; ihre Glieder wurden daher schlechtweg „Römer" genannt. Die größtedem freundlichen Übereinkommen zwischen Römern und Germanen sich entgegenstellende Schwierigkeitwar, daß die Zahl der in Gallien, Spanien, Italien und Nordafrika eingedrungenen Germanenden „Römern" gegenüber eine nur verschwindend kleine war. In Gallien, wo sich die meistenGermanen zusammenfanden, rechnete man ihrer etwas über zwei Millionen; die Zahl der„Römer" aber war wohl fünf- bis sechsmal stärker, so daß es für sie beschämend und empörendsein mußte, von einer Minderheit beherrscht zu werden und diesen Umstand der Kraft dieserEindringlinge und ihrer eigenen Feigheit und Schlaffheit zuschreiben zu müssen. Es wäreungerecht, von diesen Eroberern die heutige Zivilisätion, welche damals auch die römischgebildeten Unterworfenen noch lange nicht besaßen, sowie einen gänzlichen Verzicht auf dasBewußtsein und die Äußerung ihrer Überlegenheit an Stärke verlangen zu wollen. Sie wareneben Menschen und dazu noch rohe Menschen, — „Barbaren", aber freilich mit hohen Anlagenzur Gesittung und Bildung ausgerüstet, und unter ihrer rauhen Außenseite barg sich nicht wenigvon Gutmütigkeit und Gemütlichkeit. Das Beispiel der entsittlichten „Römer" verderbte siejedoch vielfach und reizte sie zn Ausbrüchen ihrer Wildheit. Dabei verstanden sie indessen nichtnur zu zerstören, wie die Hunnen, ihre Zeitgenossen, und wie noch heute die Türken, sondern auchaufzubauen. War ihr Eindringen in die neuen Heimatländer auch, namentlich im Kriegszustande,vielfach ein verwüstendes, so tritt doch sofort von dem Zeitpunkte ihrer festen Niederlassung andas Streben bei ihnen hervor, den Unterworfenen gerecht zu werden. Im ganzen drückte die offeneWildheit der Germanen die Unterworfenen weniger, als das hinterlistige Aussaugungssystemder gebildeten Römer. Unter diesen hatten die Prokonsuln und Proprätoren nach Willkürgeschaltet und Erpressungen geübt, und Rom war — weit entfernt; Nichtrömer gelangten auch erstin späterer Zeit zn Ämtern und Würden, als es keine echten Römer mehr gab, und auch dannnur gegen das Aufgeben ihrer nationalen Eigentümlichkeiten und Einwilligung in vollständigeRomanisiernng. Jetzt aber dienten sogenannte Römer in den höchsten Ämtern der Germanen-sürsten, und bei dem nicht sehr entlegenen König konnte jedermann viel leichter Recht fin en,als früher in dem fernen Rom. Die Könige der Germanen behielten nun zwar in ihren ^nte nden Namen ihres Volksstammes bei, anstatt den des eroberten Landes anzunehmen; aber i essen-ungeachtet waren sie sowohl in ihren eigenen Augen, wie in denen der „Römer auch wngeder letzteren. Nur die früh zertrümmerten Reiche der Ostgoten und Wandalen gelangten nichtbis zu dieser Stufe der Verschmelzung ungleichartiger Elemente. In den übrigen Reichennäherten sich die Römer in politischer Beziehung den Anschauungen der Germanen und die,ein Hinsicht auf Sprache und Kultur den Römern, und aus dieser Mischling sind Mit der