Fränkische Sitte und Zucht.
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gnesn, Königin) für Mann und Frau. Erst im achten Jahrhundert kamen bei den Hoch-deutschen die Ausdrücke vix und kröva in Gebrauch, und zwar letzteres (die weibliche Formvon trS, Herr, davon Frondienst, Frongut, Fronleichnam) bis zum elften Jahrhundert bloß imSinne der Gebieterin, worauf das Wort allgemein wurde und die Herrin den romanischenNamen Dame (von ckomina) erhielt.
Das Schlimmste in den aus der Völkerwanderung hervorgegangenen Reichen aber wardie Verbindung altgermanischer Roheit und römischer Sittenlosigkeit. Alle Völker und Herrscher-häuser in den von Germanen eroberten Reichen wurden an Scheußlichkeit dieser Verknüpfungvon den Franken und ihren Mero Win gern übertroffen. Die Geschichte Gregors vonTours und seiner Fortsetzer ist ein Sündenregister, wie es nur von den Historien und Annalendes Tacitus übertroffen werden würde, wenn wir sie vollständig besäßen. Daß mehrere mero-wingische Könige und der Hausmeier Pippin der Mittlere trotz ihrem Christentum in doppelteroder mehrfacher Ehe lebten, alle Könige und Machthaber aber, von beiden Häusern, Buhle-rinnen in Menge hatten, ist bekannt. Die Großen der Franken waren trunksüchtig und wollüstig,räuberisch und unbändig, voll von Verachtung gegen alle Gesetze der Moral und des Staates.Ohne alle Scheu lieferten sich Feinde mitten im Frieden Schlachten in den Städten (wieweiland die Banden eines Clodius und Milo in Rom), ja sogar in den Kirchen! Gregorvon Tours erlebte selbst in seiner Stadt eine solche Fehde, deren Urheber einander ausraubten,ihre Familien gegenseitig hinmordeten und ihre Häuser niederbrannten, welche Greuel vermögeder noch immer üblichen Blutrache durch Jahre hin nachwirkten. Dies nur ein Beispielunter Hunderten. Ebenso arge öffentliche Skandale fielen unter den Geistlichen selbst vor. Zuallgemeinem Ärgernis zankten sich verschiedene Prätendenten um ein Bistum, betrauten sich undlebten unkeusch. Ja es geschah, daß solche, die Lust nach einem Bistum hatten, Mörder aus-sandten, dessen Inhaber zu töten, so z. B. gegen den Bischof Aetherius von Lisieux einenallen Lastern ergebenen Geistlichen, welchem dieser wiederholt das Leben gerettet hatte, währenddie Mörder sich nicht scheuten, dem Verhaßten unsittliche Handlungen aufzubürden, die diesemvöllig fremd waren. Ein grelles Beispiel von der Verdorbenheit geistlicher Frauen bildetdie Empörung entarteter Nonnen von Poitiers, unter denen sich sogar zwei Königstöchterbefanden, die sich nicht schrillen, sich in ihrem Treiben mit Strolchen und Räubern zu ver-binden und selbst Kirchen durch dasselbe zu schänden. Einen ähnlichen Skandal sah gleichzeitigein Nonnenkloster in Tours.
Alles aber übertreffen die Verbrechen, welche die merowingischen Könige und ihreWeiber selbst verübten. Ihr Ahne Chlodowech erschlug bei öffentlicher Musterung ausdem Märzfelde einen Krieger eigenhändig, der ihn ein Jahr zuvor beleidigt hatte. Nachdemer Christ geworden, hetzte er den Sohn des Ripuarierfürsten Sigibert zur Ermordung desVaters auf und ließ dann auch den Sohn über seiner Schatztruhe töten; endlich spaltete erselbst seinem Verwandten, dem Gaukönig Ragnachar, und dessen Bruder Richar den Kopf,nachdem er beide durch Verräter, die er mit falschem Golde bestochen, in seine Hände be-kommen hatte. Sein würdiger Sohn Chlothachar I. erdolchte selbst die beiden Knabenseines Bruders Chlodomir, obschon sein zweiter Bruder Childebert, der sonst keineswegsweichherzig war, für ihr Leben bat, — dann wurden auch ihre Diener und Pfleger ermordet.Derselbe Wüterich ließ seinen eigenen aufrührerischen Sohn Chramn mit Weib und Kindin einer Hütte lebendig verbrennen. Sein anderer Sohn, Chilperich I., welcher außerschlechten Versen auch theologische Abhandlungen schrieb, die Gregor freilich ketzerisch fand,sowie die Juden zu bekehren suchte und zur Taufe zwang, befahl, seine Gattin Gaileswintha(Schwester der Brunhilde) im Bette zu erdrosseln, um die Buhlerin Fredegunde heiratenzu können. Das saubere Paar ließ dann den eigenen Bruder des Königs, Sigibert VonAustrasien, mit vergifteten Messern ermorden, — eine Todesart, welcher später der Mörderselbst zum Opfer siel. Sein Weib aber, ein wahres Scheusal, ließ den Bischof Prätex-tatus von Rouen am Altar während der Messe niederstoßen und einen edlen Franken, derihr darüber Vorwürfe machte, vergiften. Mit ihrer zuchtlosen Tochter Rigunthis (oben S. 99)prügelte sie sich oft und versuchte einst sogar sie in einer Schmucktruhe zu ersticken; gegen