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Erstes Buch. VII. Karl der Große und sein Reich.
losigkeit gestattete, die leider nicht durch des Herrschers gutes Beispiel in Schranken gehaltenwurde. So streng nämlich Karl in politischen und rechtlichen Dingen war, so leicht nahm er,und leider auch seine Familie, in moralischer Hinsicht das Leben. Seine erste Frau, dieTochter des letzten Langobardenkönigs, verstieß er,- er hatte dann nicht nur drei Frauen nach-einander, sondern daneben noch eine Menge Liebschaften. Zwei seiner schonen Tochter, die erangeblich nicht verheiraten wollte, weil er sie nicht von sich lassen mochte, Bertha undHruodtrud, unterhielten illegitime Liebesbündnisse und hatten Nachkommenschaft aus denselben.Einhards Gattin Emma war jedoch keine Tochter Karls, und die Geschichte von ihrer Liebeist nur ein Märchen. Eine junge Bcrwandtc des Kaisers, Gundrada, wurde als die einzigereine Jungfrau am Hofe gerühmt.
Karl bewirkte mit der Zärtlichkeit gegen die Seinigen, wie aus ihrem Verhalten hervor-geht, nur wenig Gutes; anziehend aber war sein Familienleben trotzdem. So oft der Monarch,der stets streng auf die kirchlichen Pflichten des Christen hielt, aus der Blesse kam, begrüßtenihn seine Frau und seine Kinder; die Söhne nahmen ihm Schwert nnd Mantel ab, dieTöchter brachten ihm Blumen nnd Früchte. Darauf nahten sich ihm seine Beamten nnd Räte,um des Reiches Geschicke mit ihm zu besprechen. Am Mittagsmahle leisteten ihm sein Hof-kaplan Hildebald von Köln, der das Tischgebet sprach, nnd seine gelehrten Freunde Gesellschaft;
Elsenbeinhorn (Olifcmt) Karls des Großen; im Schatz des Doms zn Aachen.
an Festtagen aber bedienten ihn anwesende Könige, sonst Fürsten nnd Herzoge. Nach ihm aßendiese. Ihnen warteten wieder Grafen nnd andere Beamte auf, diesen ihre Untergebenen,nnd so hinab bis zur Dienerschaft, so daß das Tafeln von Mittag bis Mitternacht dauerte.Bei nnd nach Tische erbaute sich der Kaiser an der Vorlesung von Gedichten, wie er sichan Musik und wohl auch den Scherzen der Spaßmacher ergötzte.
Nicht selten sah schon der erste Sonnenstrahl den Kaiser mit seinem Gefolge auf demWege znr Jagd im Walde bei Aachen. In herrlicher Kavalkade brausten die Jäger undJägerinncn dahin; denn linker ihnen befanden sich auch die Gattin nnd Töchter Karls, mitgoldenen, edclstcinbesetzten Diademen gekrönt, mit goldenen Spangen, funkelndem Hals-geschmeide nnd reichen Gewändern geschmückt. Karl liebte es, mit dem Speere selbst denwilden Eber zu erlegen nnd mit reicher Bente an Wild abends znm glänzenden Familiengelageheimzukehren.
Die Liebe gegen seine Söhne verleitete den großen Kaiser leider sogar znr Befolgungder fränkischen Unsitte einer Reichsteilnng unter drei von ihnen, unter welchen Karl seinLiebling und Wohl der Hoffnungsvollste war, von denen ihn jedoch nur einer, der Schwächste,überlebte, dem er kurz vor seinem Tode, ohne den Papst zn fragen, die Kaiserkrone verlieh,und der dann später des Reiches Zerreißung vollendete.
Große Aufmerksamkeit und Sorgfalt verwandte Karl der Große auf die Gnlei-der Krone. Dieselben waren teils größere, teils kleinere und lagen im ganzen Reichezerstreut. Der Kaiser wohnte bald auf diesem, bald auf jenem, wohin er dann auch dieReichsvcrsammlnngen berief; am meisten nnd liebsten verweilte er aber in Aachen, das