Band 
Erster Band.
Seite
133
JPEG-Download
 

Rechtlicher, wirtschaftlicher und geistiger Verkehr.

133

Taufe dieser den Juden gehörigen Sklaven gegen den Willen ihrer Herren. Ja, der Markt-tag wurde ihretwegen 820 in Lyon vorn Sabbat verlegt, und der dortige Erzbischof Agobardbekämpfte diese Milde umsonst, da die Vornehmen die Juden aus guten Gründen schütztenund ihn ob seines Eifers verspotteten, indem sie ihn an die Nationalität und Religion derPatriarchen und Apostel erinnerten.

Es fehlte jedoch auch nicht an de- ^MMVWTFWWMWMMMWIUT^Wmütigenden Beschränkungen der Juden. '»-Ks kEs war z. B. unter den Karolingernvorgeschrieben, daß kein Jnde vonder Kirche oder von irgend einemChristen an Silber, Gold oder an-deren Dingen etwas annehmen dürfe,weder als Pfand, noch für eineSchuld, widrigenfalls all sein Eigen-tum ihn: weggenommen und ihm dierechte Hand abgehauen werden solle.

Ja, es durfte ein Jude eigentlich so-gar weder Geld im Hause haben,noch Wein oder Getreide verkaufen,bei Strafe der Konfiskation und desKerkers. Man kann sich jedoch Wohldenken, daß alles dies nicht strengdurchgeführt wurde. Beim Schwöreneines Eides mußte der Jude in einemKreise oder auf einer Schweinshautstehen und die fünf nach Mose be-nannten Bücher (die Thorah) imArme halten.

Die Juden waren aber beiweitem nicht am schlimmsten daran.

Die Stiefkinder der Karolingerzeitwaren die immer mehr in Abhängig-keit von der Krone, der Kirche unddem Dienstadel versinkenden Bauern.

Namentlich waren es die Kriege,welche sie aussagen, da die Grafen,die ihre Mannschaft selbst ausrüstenmußten, sogar die Ärmsten ihrerUntergebenen in Mitleidenschaft zogenund ihnen oft ihr Letztes wegnahmen.

Dazu kamen der Zehnte an die Kirche,die Frondienste zur Herstellung vonWegen und Brücken, die Durchzügevon Heeren und im Frieden die Reisenvon hohen Herren (s. oben S. 108).

Karls Pläne zur Abhilfe blieben nachseinem Tode unausgeführt, und dieZustände wurden immer drückender.

Ebenso blieben seine Anstrengungen, dem Raub, dem Mord und anderen Kriegsgrcueln zusteuern, fruchtlos. Das Reich oder vielmehr die Reiche seiner Nachkommen versanken in dasjammervollste Elend, welches überdem noch durch zahlreiche Hnngerjahre vermehrt wurde.

Die geistigen Bestrebungen unter den Nachkommen Karls des Großen erlitten

MZM

Fränkische Krieger, dargestellt in einer fränkischen Elfenbeinschnitzereieines Buchdeckels aus dein neunten Jahrhundert.

Paris, Louvre-Museum.

Motiv: 2 . Buch Samuelis, 2 . Kapitel.

Im oberen Feld Abner vor den Mauern der Stadt Gibeon, in Unterhandlungmit Joab begriffen; unter ihnen die zwölf jungen Männer vom Stamme Benjaminin der Tracht und Bewaffnung fränkischer Krieger; darunter der Fischteich vonGibeon mit einem segelnden Schiff und Wasservögeln. (6-22. s-rcU.)