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Erster Band.
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146 Zweites Buch. I. Die Blütezeit der Klöster.

Arbeit verrichteten. Die Säulen wurden aus Felsblöcken gehauen, die Fenster mit Glasversehen, später (841—883) die Wände mit goldglänzendcn Malereien geschmückt. GläserneKronleuchter, mit getriebener Arbeit in Gold und Silber verzierte, mit kostbaren Teppichenbedeckte Altäre, aus Elfenbein und edlen Metallen gefertigte und mit Edelsteinen besetzteKruzifixe und Reliquienbehälter, in geschnitzten und reich geschmückten Decken prangendeKirchenbücher, prachtvolle Kelche, Patenen, Meßgewänder u. s. w. erhöhten diese Pracht nochmehr. Auch die Abtswohnung prangte mit Marmorsäulen und Wandgemälden, welche dasKloster Reichenau lieferte. Im Ofen der Bäckerei konnten angeblich tausend Brote auf einmal

gebacken werden; die Brauereisoll hundert Malter Hafergefaßt haben. Im ganzenzählte das Kloster über vierzigGebäude; es glich daher einerkleinen Stadt. Die Bauartderselben, namentlich derKirche, war in St. Gallenwie anderwärts noch die andie antike sich anlehnende alt-christliche, mit welcher sichindessen bereits gewisse Eigen-tümlichkeiten verbanden, wiez. B. die dem Religniendienstegewidmeten Krypten unter denChören, deren die Kirchennicht selten zwei an beidenSchmalseiten besaßen und diebesonderen Heiligen gewidmetwaren, dann die Glockentürme,die aber nicht nur zu Glvcken-stühlen, sondern auch zumÜberblick über das Ganze undzur Verteidigung gegen Feindedienten, überdies aber inihren Spitzen oft noch beson-dere Heiligtümer beherbergten,wie z. B. die beiden Türmein St. Gallen solche der Erz-engel Michael und Gabriel.

Den Mönchen im Klosterfehlte es nicht an Mahnungenzur Demut. Sie mußten derReihe nach ihren Mitbrüdcrn die Füße und das Linnen waschen. Vergehen gegen die Kloster-zucht wurden mit Geißclhieben oder selbst mit Vertreibung aus dem Kloster bestraft. Um stetsunter Aufsicht zu sein, fanden die Mönche kein Dunkel; die ganze Nacht brannte Licht in ihrenSchlafzimmern. Während des Spcisens erinnerten Vorleser sie an ihren Beruf und an dessenPflichten. Die Fastengcbote wurden natürlich sehr streng beobachtet; ja in vielen Klösternwar der Flcischgenuß beinahe das ganze Jahr hindurch verboten; nur Wein nnd Bier, anfangsauch verpönt, ließen sich nicht auf die Dauer verbannen. Dabei gab es indessen Erholungs-tage bei Besuchen Fremder und an Festen, sowie Spieltage für die Schüler. Die Gastfreund-schaft der Klöster war in jenen an Gasthäusern armen Zeiten eine sehr ausgedehnte.

Das Kloster des nennten nnd zehnten Jahrhunderts, besonders St. Gallen, war abernicht nur der Sitz der Selbstverleugnung, sondern die Pflanzstätte der späteren mittelalterlichen

Älteste Ansicht des KlostersSt. Gallen; in einem Plane der Stadtvon 1596.