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Erster Band.
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St. Gallen. Plan. Künstlerische und wissenschaftliche Thätigkeit. 147

und damit indirekt auch der neueren Gcisteskultnr. Es war ein wundervoller Ban, der nicht etwageistloser Askese, sondern hoher Begeisterung für die Religion diente, als deren Beförderungs-mittel Kunst und Wissenschaft in inniger Verknüpfung eifrigst gepflegt wurden. Die Bücher-sammlung St. Gallcns und die mannigfaltigen Kunstschätze in ihr vermehrten sich stetig, meistdurch eigene Arbeiten der Mönche. Anfangs wurden die heidnischen Schriftsteller des Altertumsnur als Hilfsmittel zum Sprachunterrichte benutzt; bald aber fanden die Mönche, ohne ihremChristentums zu schaden, Geschmack an ihnen und fertigten Abschriften ihrer Werke an.Dieser Aufschwung des Klosterlebens ist vorzugsweise dem Abte Grimoald in der Mittedes neunten Jahrhunderts und seinem Nachfolger Hartmut nur Ende desselben zn verdanken.Aus der Zeit des ersteren besitzen wir den ältesten Katalog der Klosterbibliothek. Durch einenSchiedsspruch Ludwigs des Deutschen zu Ulm 854 erlangte das Kloster St. Gallen endlichauch volle Unabhängigkeit vom Bistum Konstanz, wählte von da ab seinen Abt selbständig und

wurde mit Hilfe seiner ausgedehnten,wenn auch zerstreuten Besitzungen, dievon der Aar bis an die Murg, denNeckar und die Jller reichten, eineMacht im Reiche. Kaiser, Könige,Erzbischöfe und Herzoge besuchten eswiederholt und bedachten es mit Rechtenund Freiheiten, namentlich auch mit Be-freiungen von der strengen Klostcrregel.ie Klöster vertraten damals im Nordender Alpen das Geschäft des noch nichtvorhandenen Buchhandels und lieheneinander ihre Bücherschätze, meistbiblischen und theologischen Inhalts,doch auch lateinische Klassiker, zurFertigung von Abschriften, aufwelche unendlich viel Mühe verwandtwurde. Denn es war mehr ein

Initialbuchstabe aus dem „Goldenen Psalter" von St. Gallen. Malen als ein Schreiben. Nach-E»de des neunten Jahrhunderts. Originalgröße. St. Gallen, Stiftsbibliothek, dein das Pergament gehörig geglättet,

gereinigt, geflickt und liniiert, und derübrige Text in schöner, deutlicher Schrift ausgeführt war, wurden an die dafür leer gelassenenStellen die Anfangsbuchstaben in Gold, Silber und bunten Farben, mit vielfach verschlungenenVerzierungen und Miniaturbildern (im ursprünglichen Sinn Mcnnigmalercicn) gemalt; ja manschrieb oft ganze Bücher, besonders geistliche, mit Farbe, Gold oder Silber. Im elftenJahrhundert lohnten reiche Liebhaber von Handschriften den Mönchen oder Nonnen, welchesolche fertigten, mit Landgütern oder Weinbergen. St. Gallen besaß in dieser Kunst denunbestrittenen Borrang unter allen deutschen Klöstern, namentlich auch wegen seiner Viel-seitigkeit. Denn es waren hier außer den kräftigen Zügen und Bildern der deutschen Möncheauch die eigentümlich verschlungenen und verschnörkelten Zeichen Lind Zicrraten der Iren undSchotten bekannt, da letztere in nicht geringer Anzahl der Stiftung ihres Landsmanneszueilten. Unter ihnen zeichnete sich Mvngal (in: Kloster Marcellus) als Lehrer undMusiker besonders aus. Als Schreiber erlaubten sich diese Mönche nicht selten den Scherz,bei der mühsamen Arbeit Stoßseufzer in ihrer keltischen Muttersprache an den Rand zukritzeln, in welchen sie sich nach Anbruch des Feierabends oder nach einem labenden GlaseWein sehnten. Der Unfähigkeit dieser Iren, über die Ornamentik hinausgehende, lebenswahreGestalten zu schaffen, stehen die späteren Malereien der einheimischen Brüder in der Blütezeitdes Klosters, das heißt im neunten und zehnten Jahrhundert, sehr vorteilhaft gegenüber.Das Psalterium des Folchard, das Usnltsrinm aursnm eines Unbekannten und dasUvantz-slium lonAnm des Sintram zeichnen sich, wie durch ihre herrliche Schrift und

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