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Erster Band.
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Zweites Buch. I. Die Blütezeit der Klöster.

glänzende Farbengebung, so auch durchNaturwahrheit nnd Vollendung mensch-licher und tierischer Formen aus, namentlichglänzt das „goldene" Psalter durch Dar-stellungen aus dem Leben des Königs David,natürlich stets in der Tracht und mit denGeräten der Zeit des Schreibers, wobei esallerdings an mannigfaltigen Gebrechen derZeichnung nicht fehlt.

Nicht nur die Malerei aber, auchdie Plastik blühte im Kloster St. Gallenzu dessen Glanzzeit. Der antike Gebrauchder Diptychen, Tafeln von Holz, Schiefer,Edelmetallen, besonders aber von Elfenbein(auch Kamclbein), die zu zweien als Ein-fassungen von Schrcibtafeln dienten und alskostbare Geschenke beliebt waren, herrschteauch in den Klöstern jener Zeit. St. Gallenbesitzt solche Kunstwerke, die zu Bücherein-bänden verwendet wurden, in geschnitztemElfenbein von einem unbekannten älterenKünstler (mit Kampfszencn) nnd von demberühmten Tutilo (7 915), der zugleichMusiker, Dichter (lateinisch und deutsch),Baumeister, Bildschnitzer und Maler, dabeiaber auch eine Hünengestalt von unverwüst-lichem Humor war, so daß Karl der Dickesich einst darüber sehr ungehalten zeigte,daß man solch' einen Mann zum Mönchegemacht habe. Auch Mainz und Metzlernten seine Kunst in einem „Throne Gottes"und einem Marienbilde kennen. Sein St.Gallener Diptychon stellt Christus dar, um-geben von Engeln, den Evangelisten, vonSonne, Mond, Meer und Erde, die durchPersonen allegorisch vertreten sind; auf derzweiten Tafel sieht man die HimmelfahrtMarias und den heiligen Gallus mit einemzahmen Bären, der ihn bedient.

Höchst beachtenswert ist auch diePflege, welche die Tonkunst in St. Gallenfand, wozu ein vom Papste an Karl denGroßen gesandter römischer Mönch, der ausder Reise dort krank zurückblicb, durch dasmitgebrachte Antiphonar Gregors I. und eineVerbesserung der Notenschrift den Grund legte.

Die Schulen der Klöster waren da-mals die einzigen weit nnd breit. Den Haupt-inhalt des Unterrichts bildeten die „siebenfreien Künste", von denen das „Trivium"(Grammatik, Dialektik, Rhetorik) die allgemeine, zum Verständnis der lateinischen Sprache nndder heiligen Schrift dienenden Kenntnisse, das Quadrivinm aber (Musik, Arithmetik, Geometrie

Elfenbeintafel von einem Diptychon, geschnitzt von dem AbtTntilo (f-911) in St. Gellen.

Erste sicher datierbare, deutsche Elsenbeinarbeit. Zm Mittelstück istdie Himmelfahrt Marias dargestellt, darunter der Heil. Gallus, beimKlosterbau durch einen Steine zutragenden Bären unterstützt. Diezweite Tafel des Diptychons zeigt Christus thronend zwischen denEvangelisten und zwei Cherubim, Sonne, Mond, Tellus und OkeanuS.