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Erster Band.
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Ottos III. Traumgebilde. Die Reichsverfassung.

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in Italien wie in Deutschland. Waren sie aber hier, so weilten sie am liebsten auf ihrenPfalzen am Unterharz oder in Quedlinburg. Ein zahlreiches Gefolge umgab die Kaiser andiesen Orten. Fürsten, Räte, Höflinge, Schreiber, Krieger, Diener und Streber aller Art, sowieSpielleute und Gaukler drängten sich um den Monarchen und wurden dem Volke der Um-gegend, dem die Pflicht ihres Unterhaltes oblag, oft zu schwerer Last. Bei Anlaß der großenKirchenfeste, Weihnachten, Ostern und Pfingsten, deren Feier durch Könige und Kaiser diedamaligen Chronisten stets gewissenhaft berichten, verherrlichten glänzende Versammlungen dierauschenden Feste der Herrscher.

Der Anbruch des zweiten Jahrtausends der christlichen Aera sah das Deutsche Reich, dessenzwei letzte Kaiser in jugendlicher Verblendung den Boden, auf dem sie erwachsen waren, mitden Füßen weggestoßen hatten, um sich an wolkengleichen Phantomen anzuklammern, beraubtseiner Oberhoheit über die benachbarten Völker, die von nun ab ihre eigenen Wege gingen.Die Eroberungen im Osten der Elbe waren größtenteils durch die Wenden sowohl dem Reichewie dem Christentums wieder entrissen; Frankreich hing nicht mehr, wie unter den letztenKarolingern, von der Gnade der Kaiser ab, sondern hatte mit den Nachkommen des trotzigenHugo, den Kapetingern, eine selbständige Dynastie und durch diese auch ein gewisses National-

gefühl erlangt; ja selbst Italien, auf dessen Besitz die Ansprüche der Deutschen an das

Kaisertum beruhten, hatte sich von Otto III. noch vor seinem Ende losgesagt und steuerte auf

eine eigene Reichsbildung los, indem es sich in Arduin von Jvrea einen König aufstellte.

Und, was das Schlimmste war: auch das deutsche Land war zerrissen, nicht nur durchdie wachsende Selbständigkeit der kleineren weltlichen und geistlichen Herren, sondern auch durchden nun neu sich entspinnenden Streit um den Thron.

Heinrich II. von Baiern, welcher in diesem Kampfe den Sieg gewann, schützte dasbedrückte Volk den emporstrebenden Vassallen gegenüber und stärkte die Einheit des Reiches.Um der Fehdesucht zu steuern, erließ er Gesetze und gab sowohl im Süden wie im Norden „dieersten Beispiele beschworener Landfrieden". Dabei entriß er jedoch den großen Herrenihren Einfluß nicht. Statt persönlich zu regieren wie die Ottoncn, zog er die Herzoge undGrafen zur Gesetzgebung und Rechtspflege des Reiches herbei, behielt sich selbst aber die ent-scheidende Stimme vor. Die Kirche bereicherte er in hohem Maße, so daß ihre Besitzungen,sowohl die der Bistümer, wie die der Abteien, zu Fürstentümern wurden, denen eine Gaugraf-schaft nach der andern zufiel, — ordnete sich ihr jedoch keineswegs unter, sondern hielt dieZügel des Reiches in straffer Hand. Gegen unbotmäßige Klöster war er ebenso streng wiegegen eigenmächtige Herren, und hob ihrer mehrere auf. Von den weltlichen Herren abernahm er sowohl Geldleistungen wie Abtretungen von Liegenschaften dafür entgegen, daß erihnen die ererbten Lehen überließ.

Der Nachfolger der Ottonen war somit ein Festiger und Mehrer des Reiches, — keinAsket, wie die Legende ihn darstellt. Vielmehr liebte er Pracht und Vergnügen, besondersdie Jagd und ritterliche Übungen. Unter ihm fand der Name der Deutschen die erste all-gemeine Anerkennung, wuchs ihr Selbstbewußtsein als das eines mächtigen Volkes empor,begannen die übrigen Völker Europas, leider nicht auf die Dauer, vor ihrer Kraft zu zittern.Heinrichs Gattin Kuni gund e war sehr fromm, unterstützte aber nicht nur die Kirche, sondernverständnisvoll auch das Wirken des Kaisers selbst in jeder Hinsicht.

Mit Konrad II. ging die deutsche Krone auf der imposanten Versammlung der Fürstenin der weiten Rheinebene zwischen Worms und Mainz abermals auf die salischeu Frankenüber. Unter ihm umfaßte das Kaisertum drei große Länder: Deutschland, Burgund und Italien,ein vielsprachiges Gebiet, welches auf die Dauer nicht zusammenzuhalten war und daher noch vielelange und schwere Kämpfe zu überstehen hatte, die schließlich mit dem Zerfalle in seine natür-lichen Bestandteile endeten. Dagegen ist es Konrad gelungen, die verlorene deutsche Obmachtüber die Wenden bis zur Oder wieder herzustellen und Polen seiner Lehnshoheit zu unterwerfen.

Bei solchem Machtbesitz ist es erklärlich, daß Konrad denselben seinem Hause zu erhaltenstrebte. Er erkannte ausdrücklich die Erblichkeit der Lehen an, indem er von den großen Vassallendafür die doppelte Gegenleistung verlangte: ihren kleinen Lehensleuten ebenfalls Erblichkeit zu