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Zweites Buch. II. Das Reich und seine Kaiser.
gewähren und diese letztere auch der Krone zuzugestehen. Damit sicherte er sich die Treueder kleinen Edelinge und gleichzeitig seiner Familie das Reich. Schon 1628 hatte er seinen
elfjährigen Sohn Heinrich (III.) zum Königwählen und in Aachen krönen lassen; er sorgtefür eine wahrhaft königliche Erziehung desselbenzu gedeihlichem Verständnisse des Staates, derKirche und der Wissenschaft, und überließ ihmschon früh selbständige Regentenhandlungen; jaer belehnte ihn mit den meisten erledigten Her-zogtümern und zwang seine übrigen Verwandten,damit sie ihm nicht im Wege seien, ins Klosterzu gehen. So steuerte er auf den Einheits-staat los, und zwar nicht nur auf einen geist-lichen, wie sein Vorgänger, sondern auf einenkonsequent durchgeführten politischen. OhneZweifel hätte die Entwickelung des DeutschenReiches in dieser Richtung ihren Fortgang ge-funden, wenn nicht dessen Verhältnis zum Papst-tum eine so unheilvolle Wendung genommenHütte. Kvnrad war übrigens ebenso fromm wieHeinrich II., und beide haben, ohne es zuwissen und zu wollen, gleich ihren Vorgängerndurch ihre Freigebigkeit die Kirche auf Unkostendes Staates in unheilvoller Weise gestärkt.Heinrich hatte mit Vorliebe Bistümer gegründet,Konrad baute mehr Kirchen; jener war selbstein Theolog gewesen, dieser aber überließ diekirchlichen Angelegenheiten seiner Gattin Gisela,deren Sohn aus erster Ehe, der abenteuerlicheund vielbesungene Herzog Ernst von Schwaben,im Ausstände gegen seinen Stiefvater tragischunterging. Immer aber behielt Konrad dievolle Macht über die Kirche in seinen Händen;er regierte streng, — ohne für ihre OrganeVorliebe zu hegen oder dieselben zu schonen;denn er war ein rauher Kriegsmann, der auchGefahr und Strapazen nicht scheute. Und dieseWillkür machte die Kirche ihm abgeneigt, ob-wohl jene Freigebigkeit ihre Macht vermehrte.Es fehlte somit im Verhältnis zwischen Staatund Kirche an Maß und Ziel, vor allem anrichtigem Blick in die Zukunft.
Heinrich III., wegen seiner dunkelnGesichtsfarbe der Schwarze genannt, dessen Er-ziehung bereits erwähnt ist, bekundete durchseine Tugenden, wie durch seine Hünengestaltseinen Berns znr königlichen Würde. SeineStudien hatten eine ideale Richtung in ihm ge-zeitigt, welche aus seiner Scepterführung auchkräftig hervorleuchtete, ihn aber vor Unduldsamkeit nicht bewahrte. Während er den Mördereines Juden blenden und verstümmeln ließ, wurden angebliche Manichäcr (Anhänger einerim dritten Jahrhundert vom dem Perser Manes gestifteten Religionslchre) in Goslar gehängt.
Lebensgroßes Standbild der Kaiserin Kunigunde:am Fnrstenportal im Georgenchor des Doms zuBamberg. IS. Jahrhundert.