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Erster Band.
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Heinrichs IV. Niederlage. Das Wormser Konkordat. Die Staufer.

und anderen „Himmelszeichen" graute und Wendeneinfälle vor dem Verlassen des Landeswarnten. Allein der König war entschlossen, und man sah ein gutes Vorzeichen darin, daßder Blitz in sein Schlafgemach zu Goslar einschlug, ohne ihn zu verletzen.

Durch List und Gewalt errang Heinrich V. auf seinem Römerzuge auch die Kaiserkroneund die Investitur; er konnte, als er heimkehrte, Italien als ein größtenteils wiedererobertesLand betrachten, und es ist ein versöhnender Zug, daß er 1111 die Leiche seines unglück-lichen Vaters prachtvoll im Dome zu Speier bestatten ließ. Aber auch ihm ward Bannund Bürgerkrieg nicht erspart, bis endlich nach langen Unterhandlungen mit Calixtus II. derWormser Vertrag von 1122 zu stände kam, nach welchem der Kaiser auf die Investiturmit Ring und Stab verzichtete, hingegen das Zugeständnis empfing, daß die Wahlen der deutschenPrälaten in seiner Gegenwart stattfinden und eine besondere Belehnung mit den Regalien inDeutschland der Weihe vorangehen, in Italien aber ihr nachfolgen sollte. Es war die ersteBeurkundung einer Trennung von Kirche und Staat seit dem Bestände des Christentums!Der Kaiser wurde hierdurch ohne Buße vom Banne frei, und das Ereignis wurde mit Jubeldurch ein Friedensfest gefeiert. Das Konzil im Lateran bestätigte dann auch im folgendenJahre das „Wormser Konkordat." Das Papsttum war durch dasselbe vom Kaisertum unabhängiggeworden und hatte hierdurch die Kraft erlangt, seine Reformen ungestört über das ganze Gebietder Kirche zu verbreiten. Eine wichtige Folge dieser Lösung war ferner, daß Italien nochenger mit Rom verbunden, sein Politischer Zusammenhang mit Deutschland aber gelockert wurde.Endlich hat der Wormser Vertrag noch dazu geführt, daß auch die übrigen Differenzenzwischen Papst- und Kaisertum ausgeglichen wurden. Aus diesen Umständen ergiebt sich jedochvon selbst, daß bei diesem Abschluß nur das Papsttum gewonnen, das Kaisertum aber verlorenhatte; jenes sah seitdem die Einheit, dieses die Zersplitterung und den Unfrieden auf seinemGebiete wachsen. — Unter so trüben Aussichten für Deutschland starb Heinrich V. 1125, erst43 Jahre alt, kinderlos und »«betrauert.

Die Wahl seines Nachfolgers hatte durchaus den Charakter und die Tendenz, alles Strebennach der Erblichkeit der Krone zu beseitigen und diese selbst von der Kirche und den Fürstenabhängig zu machen. Die letzteren legten diese Absicht überaus deutlich an den Tag, indem sie deneifrigsten Führer der für das Papsttum und gegen das Kaisertum kämpfenden Sachsen zum Königewählten, — den bereits sechszigjährigen Herzog Lothar, früheren Grafen von Supplingenburg.

Für den wettern Verlauf des Kampfes zwischen Papst- und Kaisertum war es von einerfür Deutschland sehr schlimmen Vorbedeutung, daß Lothar die Abhängigkeit seiner Würdevom Papste zugestand und sich von ihm Rechte verleihen ließ, die bis dahin für ganz un-bestrittene Rechte des Kaisers selbst gegolten hatten. Als aber die Krone nach Lothars Todan seinen anfänglichen Feind und spätern Kampfesgenossen, an den Staufer Konrad III., fiel,da wurde (1137) der Streit der Welsen und der Ghibellinen entfacht, in welchem der Kampfzwischen Papst- und Kaisertum, zwischen Wälsch- und Deutschland zu beiden Seiten der Alpenvon nun an verhängnisvoll fortlebte.

Zu dieser Wendung der Dinge war indessen die Regierung König Konrads III. nurdie Einleitung. Die nachher so scharfen Gegensätze zwischen Staufern und Welsen bildeten sicherst nach und nach aus; nur ein Unheil blieb beständig und stets sich gleich: das war dieFehdelust und die Fehdeführung; freilich nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.

Kaum jedoch war (1152) Konrad hingeschieden, so erhob das Deutschtum sich, fast genauein Jahrhundert nach seiner Erniedrigung zur Zeit des Todes Heinrichs III-, zu neuem Erwachenund zu einer neuen Periode der Triumphe über das Wälschtum. Sowohl das Reich, diesefeste Form des Vaterlandes, wie die Sprache, dieser treueste Ausdruck der Volksseele, nahmenan diesem kraftvollen Aufschwung teil. Der große Träger desselben war der neue KönigFriedrich I., der Rotbart, von einem stanfischen Vater und einer welfischen Mutter um1122 geboren, dessen Wahl ganz Deutschland jubelnd begrüßte. Seine glänzende Erscheinung,seine Liebenswürdigkeit im Umgänge und seine Freigebigkeit mußten alles für ihn einnehmen,während seine unerbittliche Gerechtigkeit, die durch keine Milde besänftigt wurde, bei derHärte ihrer Strafübung vielfachen Anstoß erregte. Auf seinem Römerzuge war er daher im