Band 
Erster Band.
Seite
199
JPEG-Download
 

Türme und A ngriffsm n sch i n eir. Seefahrten der Frisen und Flamänder. f<)9

emporsteigen. Sie werden dabei unterstützt von Bogenschützen, die anf dem Kopf des Turmesstehen und die Verteidiger aus nächster Nähe beschießen.

Wenn nun die Angegriffenen nicht im stände sind, den Feind abzuschlagen, und ihmweichen müssen, so ziehen sie sich in die beiden Türme zurück, welche den erstiegenen Teilder Mauer — die in verhältnismäßigen Zwischenränmen von solchen Türmen unterbrochenwird — nach beiden Seiten hin abschließen. Von hier aus werden sie in starken Vorstößenversuchen, die Angreifer von der Mauer herabzustürzen. Oder die Verteidiger setzen sich inden Türmer: fest, bestreichen von da aus mit ihren Pfeilen die Mauer und nötigen den Feindzur Belagerung jedes einzelnen. Natürlich versuchen die Angreifer auf jede Weise, in dieStadt hinabzusteigen; das ist indes nicht ohne weiteres möglich, denn die anf die Mauerführenden Treppen liegen in den Türmen und sind vor deren Eroberung noch im Besitzder Verteidiger.

War eine Stadt endlich bezwungen, so sandte sie dem Sieger ihre Thorschlüssel. HerzogAlbrecht von Österreich zwang 1296 das niedergeworfene Wien, Breschen in seine Mauerzu legen, durch die der Sieger einzog. Zum Zeichen der Ergebung trugen die Abgesandtender Stadt Schwerter oder Stricke um den Hals und lieferten ihre Waffe:: ab. Oft wurdengegen sie Grausamkeiten begangen, die sich selbst bis zur Verstümmelung oder Hinrichtung derUnterworfenen verstiegen. Nahm man aber die Stadt mit Sturm, so wütete man mit Brandund Mord in ihr und zerstörte schließlich den ganzen Platz. Die Ausplünderung war immerselbstverständlich. Wilde Kämpfe um die Beute zwischen den Siegern waren nicht selten.

Nach Beendigung eines Krieges wurden die Soldaten entlassen; — stehende Heere gabes ja noch nicht.

Während der Kreuzzüge beteiligten sich Deutsche auch an Kriegsuuternehmungen znrSee. Kreuzfahrer von: Niederrhein und aus Friesland, 13 906 Mann, führen im Jahre1147 anf 164 Schiffen nach Portugal, trugen das meiste dazu bei, Lissabon den Mauren zuentreißen, und gelangten in: folgenden Jahre glücklich nach Syrien, welches ihr KönigKonrad III. nur unter Verlust seines Landheeres erreicht hatte. Aus denselben Gegenden,aber mit Zuzug von Dänen und Flamündern, machten deutsche Kreuzfahrer 1189 in zweiFlotten mit 87 Schiffen denselben Weg; sie kämpften auf der iberischen Halbinsel und ent-gingen so dem traurigen Schicksale des Landheeres ihres Kaisers. Den dritten Zug nordischerSeefahrer über Portugal und Spanien nach dem heiligen Lande vollführten 1217 zweirheinische und friesische Flotten unter den Grafen Georg von Mied und Wilhelm vonHolland mit 266 Schiffen. Die Mehrzahl von ihnen half die Burg Alcazar do Salbezwingen, während die übrigen Cadix und andere Plätze einnahm. Sie gelangten dann nachÄgypten und nahmen teil an der Eroberung von Damiette. Seit diesem Zuge führte die StadtHaarlem, deren Bürger sich dabei besonders ausgezeichnet und in Damiette ein Glockenspiel erbeutethatten, ein Schwert und zwei Kreuze in: Wappen, welche zwei mit Glöcklein behängte Löwenbewachen. Einen vierten Seezug unternahmen die Friesen in: Jahre 1268. Sie schloffensich der Flotte Ludwigs des Heiligen auf dessen Zuge nach Tunis an, wo sie tapfer kämpften,aber nach dem Tode des Königs Afrika verließen und sich nach Palästina wandten, welchesjedoch ihr Heldenmut nicht mehr zu retten vermochte.

Des Kaisers Friedrich Barbarossa, zu dem wir noch einmal zurückkehren, vielver-sprechender Kreuzzug, welcher das schmählich verlorene Jerusalem wieder gewinnen sollte, undden der Dekan Tagenv von Passau von Ort zu Ort beschrieb, war gescheitert, als dergreise Führer an der Pforte des heiligen Landes in: tückischen Strome (1196) ertrank.Es war ein tragisches Ereignis für das Reich und die gesamte Christenheit und wurde in derergreifendsten Weise beklagt. Damit endete dann auch die Glanzzeit der Kreuzzüge. DieTage derselben waren ohnehin gezählt, weil bei diesen Unternehmungen im fernen Osten dieChristen in einer ihnen fremden Umgebung und ohne die Möglichkeit sofortigen Ersatzes ihrerVerluste, die Orientalen aber in der ihnen völlig vertrauten Heimat mit unerschöpflichen Hilfs-quellen kämpften. Ein weiterer gewichtiger Grund des Mißlingens der Kreuzzüge überhaupt lagin der Uneinigkeit zwischen den christlichen Nationen, deren Selbstbewußtsein damals bereits immer