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Zweites Buch. V. Wirtschaftsleben, Stande und Sitten.
Rinnen der Kaiserpfalz in Gelnhansen; von Kaiser Friedrich I. Barbarossa 1170 vollendet.
meinsame. Die Kaufleute von Straßburg z. B. verrichteten für ihren Bischof Botendienste undzwar auf seine Kosten.
Auch die Verhältnisse der Handwerker verbesserten sich; sie leisteten dem Stadtherrn nurnoch eine gewisse Abgabe und bezvgen im übrigen den Ertrag ihrer Arbeit, deren Wert durchihren Wetteifer nur gewinnen konnte, für sich selbst. Aber auch die Abgabe bestand gewöhnlichnur in dem Erzeugnis einer Arbeit, indem jede Innung dem geistlichen Hofe aus dem von diesemerhaltenen Stoffe die Gegenstände lieferte, welche sie herstellte. In Straßburg z. B. besorgtendie Kürschner für den Bischof die nötigen Felle und Pelze, die Schuster die Lederfutterale, dieSchmiede die Nägel n. s. w. Die Müller und Fischer mußten ihn auf dem Wasser fahrenDagegen kamen auch Leistungen vor, welche mit dem Gewerbe der Pflichtigen nichts zu schaffenhatten, ja oft recht seltsam und widerwärtig waren. Die Weinwirte Straßbnrgs z. B. mußtenauf Verlangen des Bischofs die Aborte und Vorratskammern seiner Behausung reinigen. Die„Kirchenhvrigen" aber, welche keine Innungen bildeten, waren zu noch weit lästigeren, undanhaltenderen Diensten verpflichtet; auch fiel ihr Nachlaß an den Herrn, wenn sie ohneErben verstürben.
Die bedeutendsten Städte Deutschlands waren am Ende des zehnten Jahrhunderts Aachen,das von Otto I. als erste kaiserliche Residenz diesseit der Alpen erklärt worden war, die Erz-bischofssitze Mainz, Köln und Trier, Magdeburg im Norden und die Bischofsstadt Regens-burg im Süden. Neben ihnen hatten als Pfalzen einen hervorragenden Namen Augsburg,Mersebnrg, Gelnhansen, Grvna, Werla; als befestigte Orte Hamburg, Hildesheim und andere.
Die Städte und ihre Bürger hoben sich namentlich durch den Handel. Inden Rheinlanden lag derselbe meist in den Händen der Juden, die nicht nnr von feitender Könige, sondern selbst von den Bischöfen mit Vorrechten beschenkt wurden, deren Ver-folgungen aber bereits 1012 mit ihrer Vertreibung aus Mainz begannen. Seitdem der Handelder Städter emporkam, verlegten sich die Juden immer mehr und mehr auf Zinsgeschäftc,welche den Christen, freilich vielfach ohne Erfolg, kirchlich verboten waren. Heinrich lV. stellte1103 die Juden unter den Frieden des Königs; Friedrich!, nahm sie 1157 nuter den Schutzder königlichen Kammer auf, und Friedrich ll. bezeichnete sie 1230 als Kammerknechte desReiches. Letztere Kaiser stellten sie zugleich unter einen vvm König ernannten I u denbis ch o f.Sie durften freies christliches Gesinde und heidnische Sklaven halte».