208
Zweites Buch. V. Wirtschaftsleben, Stande und Sitten.
SM»
fvlger selbst. Als die erste unterden deutschen Städten galt damalsallgemein Köln, mit welchem zu-nächst die geistlichen Städte Mainz,Wvrms, Speier, Straßburg, Salz-burg und Passau wetteiferten; außer-halb des Rheinlandes schwangensich in Schwaben Augsburg undUlm, in Barern Regensbnrg, inFranken Nürnberg, in SachsenMagdeburg und Goslar empor.Doch verkamen und verschwandenauch ehedem vielgenannte Städte,z. B. Tribur bei Mainz (zuletztI I > 9 genannt). Andererseits bautenFürsten mit Beihilfe von Kaufleutenneue kleine Städte, so z. B. dieZbring er 1120 Freiburg imBreisgau und gegen Ende des Jahr-hunderts im burgnndischen ÜchtlandeFreiburg und Bern. Um die
Burgen der Fürsten erwuchsen nunStädte ebenso häufig, wie frühernur Königspfalzen und Kirchen.So entstanden in Baiern Münchenund im dreizehnten JahrhundertLandshut, Stranbing, Neustadt undandere.
Die Rechtssatzungen ältererStädte, ursprünglich im Gewohn-heitsrecht beruhend, aber im Laufeder Zeit aufgezeichnet, wurden häufigauf Städte neuer Gründung über-tragen. Man begann auch, obschonfür die Städter der Name „Bürger"oder „Bürger" sich erhielt, zwischenStädten und Burgen zu unter-scheiden; — diese, teils als prächtigeFürstensitze angelegt, teils als Wohn-stätten der adligen Herren erbaut,teils auch bloß für Kriegsmann-schaften des Adels berechnet, ver-mehrten sich weiter, und nicht wenigedavon wurde» bald als Raubbnrgensowohl den Bürgern wie den Bauerngefährlich. Damals entstandenTrifelsund Drachenfels am Rhein, dieWartburg und der Khffhäuser inThüringen.
Eine eigenartige Entwickelungmachten die deutschen Städte auf slawischem Boden durch. Slawische Dörfer und Städtchenwurden von Teutschen bezogen, nach deutscher Art befestigt; sie erhielten deutsches Recht und
Der Bergfrit von Burg Trifels. Durchschnitt und Grundriß.
Die Burg liegt bei Annweiler, einem Städtchen der Nheinpfalz, auf dem 566 Meterhohen Sonnenberg, sie wurde gegründet unter den salischen Kaisern, von denen Hein-rich IV. und V. oft hier weilten. Friedrich I. baute den Pallas mit einen:prächtigen Marmorsaal, der im 16. Jahrhundert bis auf die Grundmauern zer-stört worden ist. Von 1126—1275 wurden die Neichskleinodien auf Trifels auf-bewahrt; von hier zog Kaiser Heinrich VI. im Jahre 1194 nach Apulien undRichard Löwrnherz von England wurde auf den: Trifels gefangen gehalten. DerTurn: steht auf einem den Berg krönenden Felsblock, so daß der Hauptein-gang (VI) etwa 7 Meter über der Fläche des Gipfels liegt, von der eine Treppezu ihm hinaufführt. Erdgeschoß: I. Eingangshalle. II. Wachtftube.VI. Hauptportal. VII. In den Pallas führende Verbindungspforte. IX. Inder Mauer liegende Treppen zum ersten Stockwerke, ir. Erstes Stockwerk:III. Kapelle mit einer halbrunden Nische. IV. Wachtftube. X—XI. Pforten zuden Treppen. XII. Thür zum Pallas. XIII. Kamin. 6. Zweites Stockwerk:V. Saal. XIV. Thür zum Pallas. XV. Kamin. XVI. Nische. (Nach Naeher.)