Einfluß Frankreichs. Höfisches Wesen.
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lich aber auf Deutschland. Die Er-lernung französischer Sitte undSprache und das Reisen nach Frank-reich wurden zur Modesache undgehörten notwendig zum „gutenTon". Diesen letztem nannte manetwa seit der Mitte des 12. Jahr-hunderts nach dein Französischenconrtoisio, Höveschheit, dasheißt das den Höfen geziemende, dashöfische Leben, wovon noch unser„höflich" abstammt, während „hübsch"eine Zusammenziehnng davon ist.
Den Gegensatz znm höfischen Wesenbildete das ländliche, gewöhnliche,im Französischen villnin, villsnio,deutsch dörfisch, Dörperie genannt.
Die Äußerung des höfischen Wesenshieß „Zucht"; die verneinende Form„Unzucht" hatte indessen nicht denjetzigen unlantern Sinn, sonderndenjenigen der Unbildung, der Un-geschliffenheit. Und leider waren dieDeutschen damals und noch Jahr-hunderte lang so schwach, den Fran-zosen auf ihr Wort zu glauben, daßnur diese wirklich gebildet, sie selbstund ihre Sprache aber roh undungeschliffen seien!
An den Höfen aber war dasVorbild des höfischen Wesens nnd der„Zucht" zu finden, und diese That-sache wurde besonders durch die seitder Mitte des 12. Jahrhunderts auf-kommende Erblichkeit der Hofämter offenbar. Bei dem Könige wurden diese Ämter, nämlichdie des Trnchsessen, Schenken, Kämmerers und Marschalks, von Herzogen, — bei dem Herzogvon Grafen, — bei dem Grasen von Ministerialen versehen. Auch Bischöfe und Abteienhatten ihre Höfe und Hofämter. Nach dem Vorbilde der Höfe richtete sich nun die Zucht derritterlichen Familien, die Erziehung ihrer Söhne und Töchter. In jenen wurden die Trägerdes ritterlichen Wesens, in diesen die Heldinnen des Minnedienstes zu all' den Pflichten an-geleitet, welche jenes Zeitalter von den männlichen und weiblichen Mitgliedern der höher»Gesellschaft bethätigt sehen wollte. Die Hauptsache waren dabei für die Männer Leibes- undWaffenübnngen, namentlich Waidwerk nnd Fechtknnst, für die Frauen feine Handarbeiten, Hauv-haltungsknnde und Anstandsübung. Des Lesens und Schreibens waren Damen im ganzen öfterkundig, als weltliche Männer. Die Kenntnis der französischen Sprache, dieses weltlichen Latein,war in ritterlichen Kreisen für beide Geschlechter unentbehrlich; überdies Ernten . na ennnd Mädchen freiwillig nicht selten auch die alte Sprache Roms in damals üblicher Formund manchmal sogar (byzantinisches) Griechisch. Hauslehrer und Lehrerinnen impften beidenGruppen der Zöglinge diese Kenntnisse ein, worauf die Erziehung durch den Aufenthalt aneinem fürstlichen Hofe ihren Abschluß erhielt. Der lernende junge Mann, der Knappe ,wurde nicht selten auch zn Botendiensten nnd anderen Aufträgen, namentlich zur Bemennngder Gäste, verwendet.
Edeldame und Händler.
Das „Herrn Dietmar von Aist" darstellende Miniature der Heidelberger (ehe-maligen Manesseschen) Liederhandschrist. Um 1300. Heidelberg, Univ.-Bibl.Diese berühmte Handschrift enthält die Lieder der Minnesänger aus der Hohen-staufenzeit; sie wurde um die Wende des 13. Jahrhunderts von den: ZüricherRatsherrn Rüdger Maness von Maneck angelegt. '