Familie. Ehe. Hochzeit.
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Nicht selten fiel die Hochzeitfeier mit der Ver-lobung zusammen; in älterer Zeit fand auch bei jenerkeine andere Zeremonie statt als bei dieser. Die alt-deutsche Form der Eheschließung war die rechtsgültigeÜbergabe der Braut an den Bräutigam durch Vateroder Vormund, an deren Stelle seit dem dreizehntenJahrhundert oft ein beliebiger Freund trat. Schonseit der Ausbreitung des Christentums über weitereGegenden verlangte zwar die Kirche zur Gültigkeit derEhe den Segen des Priesters, aber mit so wenig all-gemeinem Erfolge, daß die volkstümlichen Heldengedichte,ja sogar manche der höfischen Ritterepopöen des zwölftenund dreizehnten Jahrhunderts noch keine kirchliche Trau-ung kennen. Erst in: vierzehnten und fünfzehntenJahrhundert gelang es der Geistlichkeit nach undnach, die Trauung der Paare durch weltliche Personenallgemein zu untersagen, die Priester an deren Stellezu setzen und die Handlung in das Gotteshaus zuverlegen.
In der alten Zeit nannte man „Hochzeit" (hoheFestzeit) überhaupt jedes große Fest; die Hauptsachedabei war möglichst viel Essen und Trinken bei un-geheuerer Fröhlichkeit. Solche Feste dauerten viele
Aus der Äbtissin Herrad von Landsperg „Lustgarten";um 1165—1175.
Tage, bisweilen einen Monat lang, und die Gäste wurden nicht allein durch me Z
sondern auch noch mit Geschenken an kostbaren Kleidern und Schmuck erfreu. Bwar oft so groß, daß sie in Zelten untergebracht werden mußten. »Die^ ^
die Schilde der Ritter wurden vor deren Herbergen aufgepflanzt und ausgehang , l -buben durchzogen lärmend, Futter für ihre Rosse, Speise und Trank für st) unHerren heischend, die Stadt. Aber nicht nur geladene Gästedrängten sich da; nein, von nah und fern waren auchScharen Schaulustiger herbeigeströmt, und es hatten sichHaufen von fahrenden Leuten, Sängern, Musikern, Akrobatenu. s. w. zusammengefunden, die bei einem solchen Feste einereiche Ernte zu halten Pflegten. Der Bräutigam zog, vonSpielleuten begleitet, ein, und die Häuser waren ihm zu Ehrenmit prächtigen Stoffen behängt. Frauen und Mädchen inihrem besten Putze saßen an den Fenstern oder auf denSöllern, den Gast festlich zu empfangen" (Alwin Schnitz.)
Über den Empfang der Braut Kaiser Friedrichs II.,
Jsabellas von England, der Schwester Heinrichs III., wirdberichtet: Die hohe Braut landete (1235) in Antwerpen.
Aus Köln kamen ihr alle Priester der Umgegend in feier-lichem Anszuge entgegen, mit kostbaren Ornaten bekleidet,brennende Kerzen tragend, unter Glockengeläute Lieder >.erFreude singend. Unter ihnen befanden sich Künstler unMeister jeglicher Art von Musik mit ihren Jnstrnmeii en.
Als in Köln ihre Ankunft bekannt wurde, zogen, mitund Putz geschmückt, in Festkleidern gegen zehntausend Bürgeauf kostbaren Pferden aus der Stadt ihr entgegenführten Ritterspiele aus. Auch Schiffe wurden ^ egefahren, nämlich auf Wagen mit verdeckten ra er rPferden, darin Geistliche auf Orgeln spielten. L.er Zng grng
MÜdchentracht.
Aus der Äbtissin Herrad von Landsperg „Lust-garten"; um 1165—1175.