Heldendichtung. Ritterroinaue. Parzival.
2l>ll
Nibelungen und der Kndrnn nicht von fern zur Seite treten. Gegenüber der Jugendarbeit „Erek,der Wnnderaere" zeigt indessen Hartmanns „Jwcin" oder „der Ritter mit dem Löwen" bedeu-tende Fortschritte an Ruhe, Harmonie, Schönheit der Sprache und Wahrheit der Schilderung;es kommen nicht mehr so unerhörte Weitläufigkeiten vor, wie z. B. in Erck, wo der Dichteretwa ein halbes Tausend Verse braucht, um das Reitpferd Enitens, der Gattin des Helden, zubeschreiben. So ist Hartmann von Onwe im „Jwein" zugleich derjenige deutsche Dichter, welcherim Ritterroman ant meisten das Maß bewahrt und sich der geringsten Ausschreitungen schuldiggemacht hat, ein Ruhm, der seinen beiden Nachfolgern, so sehr sie an Erfindungsgabe und Gedan-kentiefe über ihm stehen, nicht zugestanden werden kann. Wir meinen Wolfram und Gott-fried, die beiden hellsten Sterne amdeutschen Dichterhimmel des Mittel-alters. Beide haben neue Gedanken-wogen in dem unergründlichen Seeder Poesie erregt; aber sie habendie keltischen Stoffe der Zeit nichtverlassen, sondern ihnen nur neueSeiten abgewonnen. Wolfram er-öffnet uns einen zweiten keltischenSagenkreis, den des heiligenGral, bleibt daneben aber nochin dem ersten, dem des KönigsArtus, stehen. Gottfried führt unssogleich in einen dritten ein, demer sich vollständig hingiebt, nämlichin den von Trist an und Isolde,in dessen Bearbeitung ihm aller-dings, noch vor Veldeke, Eilhardvon Oberge, freilich nur alsÜbersetzer, vorangegangen war. DieGralssage ist das hohe Lied desGlaubens, die Tristansage das derLiebe, und so dürfen auch Wolframsund Gottfrieds Dichtungen bezeichnetwerden. Wie aber jener sich ausder Ritterwelt der Romane inhimmlische Sphären erhob, in diekein Sterblicher wagen durfte, ihmzu folgen, und wie er unter demBilde der Gralburg das unermeß-liche Weltall mit seinem geheimnis-vollen Schöpfer und Herrscher dar-zustellen versuchte, so verweilte dieserin dem ebenso unlösbaren Rätseldes Menschenherzens. Wie Wolfram,
der Sänger des Glaubens, die Erhabenheit, so beherrschte Gottfried, der Dichter der Liebe,die Wahrheit des Lebens. Dabei ist merkwürdig, daß keiner dieser beiden Dichterfürsten desMittelalters dem eigentlichen, herrschenden Glauben seiner Zeit huldigte; in Wolfram erblickenwir den frommen Häretiker, der weder vom Papste noch von der Dreieinigkeit viel spricht,den streng sittlichen Monotheisten, und neben ihm in Gottfried den glaubenslosen Welt- undLebemann, ja den frivolen Pantheisten.
Wolfram von Eschenbach, ein bairischcr Ritter niedern Ranges und von geringen^kücksgütern, führte ein Wanderleben. Auch er genoß die Gunst des Landgrafen Hermann
Ä1NNH6N-
UVo.'go't-. mit- jANLS-ü ^ W<vn1vr>c<ds v^x»r.ü>2n _
alt« d«- ivoenthafteLchuboi- V
<. -^ ^
Der Sängerkrieg auf der Wartburg.
Aus den Miniaturen der Heidelberger (ehemaligen Manefseschen) Liederhandschrift.
Um 1300. Heidelberg, Universitäts-Bibliothek.
Im oberen Bilde Landgraf Hermann von Thüringen und seine Gemahlin. Untendie Minnesänger, inschriftlich bezeichnet als Walther von der Vogelweide, Wolframvon Eschenbach, Reimar der Alte, der tugendhafte Schreiber, Heinrich vonOfterdiiigen und Klingsor von Ungarland. An Stelle Reimars des Alten wirdim Gedichte Reimar von Zweier als Teilnehmer am Sängerkriege genannt.