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Erster Band.
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288
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288 Zweites Buch. X. Trachten und Waffen des Mittelalters.

der obere Rand in mehrere Lappen, lignlae, durch welche der Schuhriemcn zur Befestigunggezogen wurde, und diese Form hat eigentlich das ganze Mittelalter beibehalten.

Das Schultertuch, bumorule, amietns, diente dazu, den oberen Teil der Untergewünderzu decken. Es wurde erst im elften Jahrhundert allgemein üblich und bestand in einem vier-eckigen Tuche von Byssns oder Linnen, welches vom Rücken her um den Hals gelegt undunter den Armen festgebunden wurde. Für die höhere Geistlichkeit wurde der obere Rand,welcher den Nacken und Hals deckte, mit reicher Stickerei versehen. Mitunter wurde das

ganze Tuch von Seide gefertigt. Bevor jedoch der Priester das über den Kopf gelegte Stückdes bnmsrulo zurückschob, mußte er die Alba angelegt haben.

Die Alba, erst seit dem Jahre 389 ein liturgisches Gewand, war ein langes Ärmel-gewand von weißem Leinen, Byssns, oder bei den höchsten Würdenträgern der Kirche, seit

dem neunten Jahrhundert, mitunter von Seide. Sie war nichts als die römische Ruinen intirna.

Im zehnten Jahrhundert fing man an, die Alba mit Ornamenten zu versehen, so ihren

unteren Rand mit zwei bis drei übereinander liegenden gestickten Borten zu schmücken. Imzwölften Jahrhundert erhielt sie ein gesticktes Halsloch, und am untern Rand wurde vorn undhinten ein viereckiger gestickter Einsatz hinzugefügt, der nun durch das gauze Mittelalter bisiu die Neuzeit sich erhielt (der lümbus, die parura). Auch der Ärmel, der allmählich an Weitegewann, bekam einen solchen reichen, aber nur halben Aufschlag. Der Diakonus und der Täuf-ling aber trugen die Alba ungeschmückt, die Xlbu pnra, ebenso wie dem Diakonus und Sub-diakonns nur ein nugesticktes bnmeruls erlaubt war (Fig. 20). Die Alba ward gegürtet.Der Gürtel wurde schon früh zu einem Schmuckstücke, obwohl er nicht sichtbar war. Er wardreich und mit goldfarbiger Seide durchwebt, hatte zweieinhalb bis sechs Ccntimeter Breite; anseinen Enden, welche bis an die halben Schienbeine herabfielen, hatte er oft auch Quasten(Fig. 8 n. 10). Er ward (wie auf Fig. 8 ersichtlich) durch auf der Innenseite angebrachteSchnüre befestigt, so daß das Gürtelband selbst nngeschürzt blieb. Die Alba wurde über ihnbauschig hervorgezogen und nun die Stola umgelegt.

Die Stola entsprach der Rnnieu unKustieluvia der römischen Mobilität, allein das Gewandwar mit der Zeit verschwunden; nur die beiden Purpnrstreifcn waren übrig geblieben undhatten sich zu einer Binde vereinigt. Dieselbe hatte vier bis sechs Centimeter Breite und eineLänge von der Schulter bis zum Boden; sie wurde iu den Gürtel geschoben und frei hängengelassen. Schon im zwölften Jahrhundert ward sie mitunter auf der Brust gekreuzt, wasauch später häufig geschah, namentlich, wenn kein Überkleid getragen wurde (Fig. 8). Auchdieses Ornatstück war schon früh zu großer Pracht ausgebildet, namentlich wurden die Endenmit Quasten, Fransen, mitunter sogar mit Glöckchen (tintinubulis) versehen. Die Stolen deszehnten und elften Jahrhunderts waren sehr lang (Fig. 0). Die Stola selbst ward durchzwei gleichartige Gewänder, die beiden Dalmatikcn, gedeckt.

Die untere Dalmatika war von weniger kostbarem Stoffe, ein Ärmelgcwand, welchesbis an die Hälfte der Schienbeine, auch tiefer reichte; sie hieß clalmatieu minor, tunloella,auch subnoula und subtile; sie hatte lange, ziemlich enge Ärmel und war im zehntenJahrhundert purpurfarbig, im zwölften Jahrhundert hyacinthfarbig. Sie ward mit Fransenoder Schellen besetzt (Fig. 9 u. 10). Im übrigen wurde sie wohl erst vom zwölftenJahrhundert ab durch zwei Streifen von farbigem Bande oder Stickerei, welche vonden Schultern aus vorn und hinten nach dem untern Rande liefen, dekoriert (Fig. 5),ebenfalls wohl Remiuiszenzen an die unAnstieluviu oder die Tunika; jedoch kam gegen dasvierzehnte Jahrhundert auch ein breiter Mittclstreif vor, der i» gleiche Ornamenticrnng desuntern Saumes anslief. Im dreizehnten Jahrhundert, wo die liturgischen Gewänder über-haupt endgültige Form angenommen hatten, wurden die Streifen durch ein gesticktes Querstückauf der Brust verbunden (Fig. 20). Die Tunicella des Diakonus war länger, aber enger,und hatte kürzere Ärmel als die der höher« Geistlichkeit. (Figur 5 zeigt einen Diakonus inreicher Tunicella.) Über diese Tunicella legte der Bischof eine zweite Tunika an, die eigent-liche Dalmatica, welche in gleicher Weise dekoriert, nur reicher und von kostbarem Stoffe war.Namentlich wurde der Raum zwischen den beiden Streifen prachtvoll ausgeflickt (Fig. 16).