Band 
Erster Band.
Seite
289
JPEG-Download
 

Der bischöfliche Ornat.

289

Die allmählich sich ausbildende Nadelmalerei machte diese beiden Gewänder immer reicherund kostbarer, aber auch so schwer, daß das Gewicht der Kleider Veranlassung wurde, kirch-licher Vorschrift ungeachtet im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert nur noch eine Dalmaticazu tragen. Um aber doch einiger-maßen den Satzungen zu genügen,wurde die Dalmatica mit reichem,'''andersfarbigem Futter versehen;

Durandns (S. 280) spricht in seinemRationale davon, daß auch bereitsim zehnten Jahrhundert solche Um-gehungen stattfanden. Im zehntenund elften Jahrhundert sollte dieDalmatica ebenso wie die Tunicellajederseits nur einen kleineil Einschnitthaben, von dem nur der der linkenSeite Fransenbesatz zeigen durfte.

Später, im vierzehnten und fünf-zehnten Jahrhundert, schnitt mandas Kleid an der Seite ganz auf; imsechzehnten und siebzehnten Jahr-hundert öffnete man sogar die Ärmel.

Übrigens fallen im vierzehnten undfünfzehnten Jahrhundert bei der An-wendung kostbarer Stoffe die Gold-beschläge der Tracht fort.

Der celebrierende Bischof legtevor dem „Amte" die Oasula, auchUtansln an, das eigentliche Meß-gewand. ES war ein runder, ge-schlossener, glockenförmiger Mantel,im fünften Jahrhundert aus derantiken Uaonnla. entstanden. Imzehnten bis elften Jahrhundert warer meist von einfarbigem Damast;als Schmuck finden wir nicht nur amHalsausschnitte einen gestickten Streif,sondern auch vorn und hinten wardie Längsnaht durch einen gesticktenStreif verdeckt (Fig. 1), dem imelften Jahrhundert sich zwei überdie Schultern laufende gleichartigeStreifen anschlössen (Fig. l7), dienunmehr dauernd ein rituelles Orna-ment der UlnnolÄ verblieben, bissie im sechzehnten und siebzehntenJahrhundert sich in ein lateinischesKreuz verwandelten. Den Schnittder UlanMa (Oasnla) anlangend, soblieb die Glvckenform bis zu Ende

des zwölften Jahrhunderts allgemein üblich (Fig. 10). Um die auf den Armen sich häufendenFaltenmassen zu bewältigen, hatte man seitliche Zugschnüre an das Gewand geheftet; alleindie durch Stickerei und kostbare Stoffe immer schwerer und steifer werdenden Gewänder ließen

Deutsche Kulturgeschichte. 19

Grabmal des Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein, 1249,mit den von ihm gekrönten Königen Heinrich Raipe und Wilhelm von Holland.Bemalte Steinstulptur. Im Dom zu Mainz.