Band 
Erster Band.
Seite
311
JPEG-Download
 

Steuern. Unterschied der Stünde.

311

Besitz vvn Vieh gelegt; für ein Pferd oder einen Zugochsen wurden zuletzt 25, für ein Rindfünfzehn und für ein Stück Schnialvieh fünf Pfennige verlangt. Die Geistlichkeit widersetztesich jedoch der Wiederholung dieser Steuern und erzwäng 1323 durch Drohung mit dem Bannund Interdikt von den Herzogen wenigstens die Steuer-freiheit des Klerus. Auch Adel und Städte wurdenschwierig und erreichten auf diese Weife oft das Nach-geben der Fürsten. Gemeinsam handelten die Ständejedoch noch nicht.

In den wclfischen Landen des Nordwestensstieg der Einfluß der Stände erst später und erreichtein der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts in Lüne- Goldgulden, Florenus, von Friedrich I. vonbürg sogar einen bedeutenden Grad. Die um das Land Zollern, Burggrafen von Nürnberg, Kurfürstenstreitenden Fürstenlinien buhlten um die Gunst der Brandenburg.

Stänre und überließen ihnen die Bestimmung der Erb- Auf der Vorderseite die stehende Figur Johannes" des

folge. Prälaten, Ritterschaft und Städte wirkten zu Täufers zwischen dem Zollerische» Wappenschild links

,,, V ^ ^ ^ ^ dem Helm mit dem Brückenkopf rechts; Um-

Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts beretts bet allen schrist: f 8' ^ n^i>(twt-n,. Auf der

wichtigeren Verträgen zwischen den Fürsten mit. Die

Bauern waren in den Ständen durch ihre Grundherr- gruSus Ninnaondurgonsie). Johannes der Täufer

schaften vertreten. Es kam so weit, daß die Stände

über Krieg und Frieden, Bündnisse mit anderen Län-dern n. s. w. entschieden; ja, der verschuldete Herzog Otto von Göttingen trat im Jahre1435 die Regierung völlig seinen Ständen ab, welche sie zwei Jahre führten, bis Wilhelmvon Braunschweig sie übernahm.

Die Steuern, welche, wie wir hier sahen, den hauptsächlichsten Grund der Rücksicht-nahme der Fürsten auf die Stände bildeten, entwickelten sich ursprünglich aus Bittgesuchen derVögte an die Vogtlente um Unterstützung bei ihrer Amtsausübnng und hießen daher Beden(Bitten). Sie wurden dann auch von den Grundherren undGrafen in Anspruch genommen, in den Reichsvogteien undReichsstädten aber von den Königen, in den übrigen Städtenvon den Stadtherren, und wurden endlich zu festen Jahres-steuern, zu welchen dann oft noch außerordentliche Steuernkamen. Rudolf I. legte z. B. im Jahre 1274 den Städteneine Hofsteuer für die Kosten eines Reichstages auf.

Von den Ständen im politischen Sinne sind diejenigen imgesellschaftlichen Sinne schon deshalb scharf zu unter-scheiden, weil sie als solche keine Organe des Staates waren.

Dieselben verschoben sich vollständig. Noch im dreizehnten Jahr-hundert wurden die Freien zusammengefaßt und unterschieden:in Semper- (das heißt Sendbar-) Freie, wozu die Fürsten,

Grafen und freien Herren gehörten (S. 234); in Mittelfreie,welche die Lehenträger der ersten Klasse ausmachten und ineigentliche Freie, das heißt — freie Bauern. Wegen ihres gemeinsamen Anteils am ritter-lichen Leben faßte man in der Folge jedoch die zwei ersten Klassen als Adel zusammen undbezeichnete die freien Bauern mit den Hörigen einfach als Bauern. Die Bürger derStädte kamen als dritter Stand hinzu. Diese nunmehrigen Stände arbeiteten sich im späterenMittelalter in immer tieferen Groll und Haß gegeneinander hinein, und höchst seltsam standdazu im Gegensatz, daß sie sich in den Sitten einander immer mehr näherten. Denn Bürger undBauern äfften in ihrem Auftreten dem Edelmann nach; dieser aber verrohte zusehends; seineDichtung war nun zu Knittelreimen (S. 21)8) herabgesnnken, in denen er die anderen Stände ver-höhnte und seine Genossen zur Gewaltthat gegen sie aufreizte. Unaufhörlich lag der Adelim Streit gegen Städter und Bauern, die er in wilden Fehden ausraubte und anssog, soweiter das durch die Übermacht seiner Waffen nur immer vermochte. Namentlich erbitterte die

Silbermünze

von Rudolf von Habsburc,.Originalgröße.

Umschrift der Borderseite: P LVVOLI'HU0LI - LLL. Der bärtige König aus demThrone mit der Krone auf dem Haupte,dem Schwerte in der rechten, dem Reichs-apfel in der linken Hand. Umschrift derRückseite: I7RL8 - - VIN6L

(Aachen); im Felde ein Bogen, darüberdrei Türme, darunter eine Krone.Berlin, Kgl. Münzkabinett.