Band 
Erster Band.
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322
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A22 Drittes Buch. tl. Stiidteleben und Stüdtebünduisse.

Verfassung von 1821 (dein „Eidbuch") nur ein Jahr im Amte, wurden aber stets durch Geschlechts-genossen ersetzt und in wichtigen Fällen durch ihre Vorgänger ergänzt. Auch der 82 Mitgliederzählende „weite Rat" bestand zum größten Teile aus Sprößlingen jener Familien. ZahlreicheFehden unterbrachen das Bestehen dieser Verfassung; in ihnen spielten namentlich die Erz-bischöfe eine eigentümliche Rolle, indem sie bald die Zünfte gegen die Geschlechter, ihre Erb-feinde, bald eine Partei der letzteren gegen die andere unterstützten, bald wieder mit allenBundesgenossen zerfielen, um sich selbst die Herrschaft über die Stadt anzueignen, ohne jedochdiesen Plan je verwirklichen zu können. Das sich so fest wähnende Regiment der Geschlechteraber fand seinen tragischen Untergang durch seine eigene Uneinigkeit. Eines seiner Glieder, Rütger

Grin, welcher das Volk schroff wiekeiner daniederhielt, wurde beschuldigt, alsFinanzvorstand Gelder unterschlagen zuhaben, und büßte dafür im Jahre 1808mit dem Tode. Dieses Ereignis be-siegelte die bereits eingetretene Schwächeder „Geschlechter", und obschon sie nocheinen Aufstand der Zünfte, an derenSpitze sich die Weber gestellt hatten, nieder-schlugen, so wirkten doch eine unter ihnenselbst ausbrcchende Fehde und die Folgen em-pörender Bedrückung der Zünfte derart, daßden letzteren der Sieg leicht wurde (13961.Die meisten der Gestürzten mußten in dieVerbannung ziehen; die wenigen aber,welche Urfehde schwuren und in der Stadtblieben, wurden später, so sehr standenihre Namen noch immer im Ansehen, auflange Zeit hin wieder zu Ehren undÄmtern erhoben, allerdings nur als Zunft-mitglieder, was fortan alle Bürger Kölnssein mußten. Nur das Proletariat bliebvon dem 81 Mitglieder zählenden Rateausgeschlossen, in welchen die Zünfte 80,der Rat die übrigen Ratsherren wühlte.

Kaum irgend eine deutsche Reichs-stadt blieb, namentlich im vierzehntenJahrhundert, von solchen Kämpfen ver-schont; sie endigten in den geistlichenStädten meist mit der Niederlage desKirchenfürsten; in den norddeutschenStädten blieben in politischer Hinsicht meist die Patrizier Sieger; in den süddeutschen dagegenund in den Städten der nordöstlichen Schweiz behielten überwiegend die Zünfte die Oberhand —allerdings in sehr verschiedener Weise, die sich oft in äußerst verwickelten Wahlarten der Rats-glieder offenbarte. Einer der ersten dieser Siege, zugleich ein hochpatrivtischer, war der zu Brüggein Flandern, welches damals deutsch war und fühlte, wo das Volk die Reichen, welche sich Frank-reich unterworfen hatten, im Jahre 1802 unter der Führung des greisen Zunftmeisters Pieterde Koning vertrieb und die Franzosen in einer Art von sizilischer Vesper niedermachte. Bei solchenEreignissen traten dann freilich nicht nur erhebende Züge des Mutes der vorher vom PatriziatUnterdrückten, sondern auch erbärmliche Beispiele von Roheit und Feigheit in allen Ständen zu Tage.

In Nürnberg, der bedeutendsten Gewerbestadt des Mittelalters, waren es (1849) nichthochherzige Volksmänner, sondern vielmehr „eatilinarische Naturen", welche die Bewegung gegenden Patriziat in Fluß setzten; Menschen, welche der Vvlkswitz mit charakteristischen Spitznamen

„Der betrügerische Waffenschmied."

Holzschnitt in einem xylographischen Werke aus der Mitte des 15. Jahrh.„Die acht Schalkheiten". (Nach Butsch.)