Band 
Erster Band.
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Drittes Buch. 111. Volksleben in Stadt und Land.

schwereren Fällen wurden siemit diesem Zeichen gebrand-markt, der Augen oder derHände beraubt; in Tierfelleeingenäht wurde der Wilderergrausam mit Hunden gehetzt;auf einen Hirsch gebunden rißihn das geängstigte Tier inwilder Flucht durch das Dickichtund zerschmetterte ihn anStämmen und Felsen; endlichwurden Wilddiebe auch gehängtoder enthauptet.

Durch diese und andere Be-drückungen nahm der Standder freien Bauern nochmehr ab, als schon früher(S. 244). Bedürftig des

Schutzes gegen Gewalt oderder Hilfe gegen Verarmungwaren sie, besonders seit demfünfzchntenJahrhundert, immermehr genötigt, Zinspflichtigeoder Hörige geistlicher und

weltlicher Herren, oder wieman sie jetzt nannte, Leib-eigene (S. 214) zu werden.Daher befand sich denn in denspäteren Zeiten des Mittelaltersbeinahe aller Grundbesitz (nichtnur Deutschlands, sondern desAbendlandes überhaupt) in denHänden der Kirche und desAdels. Der Zins, welchen diese Herren bezogen, bestand bald in Geld, bald in Tieren, bald

in landwirtschaftlichen oder gewerblichen Produkten, besonders in Getreide, Bier, Vieh, Geflügel,

in den Alpengegenden namentlich in Käsen, von welchen z. B. anöden bairischen GrafenSigbert von Falkenstein über 7000 Stück jährlich entrichtet wurden. Die Bienenzucht steuerteder Kirche Wachs zu Kerzen, sowie den Feinschmeckern Honig. Trat Mißwachs ein, oder befandsich eine Wöchnerin im Hause, so wurde der Zins oft geschenkt oder ermäßigt; blieb er aberohne triftigen Grund aus, so erfolgte harte Strafe. Auch die Kinder aus Ehen zwischenFreien und Zinspflichtigen wurden Leibeigene. Nach dem Tode eines solchen nahm der Herrdas „Besthaupt" (beste Stück Viehs und „Bestgewand" weg, ein Recht, das später mit Geldabgelöst wurde. Die Stellung der Eigenen war nur eine dienende, und, da sie kein Interesseam Boden hatten, so wurde dieser nur dort gut bebaut, wo sie in größerer Anzahl vorhandenwaren und sich von seinem Ertrage nähren mußten. Es war noch viel zu thun. Noch immerwurden Wälder ausgerodet und mit ihnen wilde Tiere vernichtet, von denen jedoch im zwölftenJahrhundert nur noch Bären, Wölfe und Luchse häufig waren.

Auch war die Natur dem Anbauen noch lange Zeit hinderlich. Dies gilt namentlichvon den Alpen und den Meeresküsten, sowie von den Wäldern und Sümpfen zwischen beiden.In Niedersachsen, an den Gestaden der Nordsee und ihrer Zuflüsse waren es Ansiedler ausden Niederlanden, welche die ihnen seit uralten Zeiten vertraute Kunst des Eindämmcns derFluten und der Entwässerung des Bodens segensreich übten.

Ausritt zur Jagd.

Faksimile des Kupferstiches vom sogen. „Meister von I.1SV".