ZZ8 ' Drittes Buch. III. Volksleben in Stadt und Land.
und Tannhuser im dreizehnten Jahrhundert nennen, wie z. B. Kövenanz, Ridewanz, Fula-franz, Hoppaldei. Bei dem letztem „wurde gesprungen, daß den Dirnen die Röcke hochflogen und sie mit den Köpfen zusammenstießen." Man tanzte gewöhnlich unter der Dorf-linde, bei Regenwetter aber in der Stube oder Scheune nach den Klängen eines fiedelndenSpielmaunes oder des Dudelsackes oder auch des eigenen Gesanges; es ging dabei oft so wildund üppig zu, daß alle anständigen Eltern ihre Kinder möglichst davon fern hielten und imFalle des Ungehorsams mit „schlagenden" Argumenten einschritten, zu denen damals auchRocken und Rechen gehörten. Aber weder diese Strenge noch das Eifern der Geistlichkeit
vermochte den „Tanzteufel" zu bannen;denn es mangelte durchaus an moralischerErziehung des Volkes. Schon die Spieleder Banernmädchen hatten zum Teil einenso anstößigen Charakter, daß durch siegroße Bedenklichkeit der Dirnen im Punkteder Ehre bei vorkommender Gelegenheitnicht völlig verbürgt zu sein scheint.Fehlte es doch weder an bäuerlichen Lieb-habern, welche die Ritter spielten, nochan wirklichen Rittern, die auf dem DorfeAbenteuer suchten, bei welchen der Zwangdes höfischen Lebens wegfiel, so sehr auchdieses selbst dabei sein roheres Abbild fand!
Am lautesten und tollsten ging esauf einer Bauernhochzeit zu. Vondieser Feierlichkeit hatten die Bauern längerals die höheren Stände die Mitwirkungder Kirche fern gehalten. In dem „MaierHelmbrecht" von Wernher dem Gärtner(dreizehntes Jahrhundert) wird uns eineHochzeit unter bäuerlichen Räubern ge-schildert ; die Diebesbente bildet dabei dieMorgengabe und die Zeremonie bestehtnur darin, daß die Brautleute in einenRing treten und ein alter Mann jedenTeil dreimal fragt, ob er den andernzur Ehe nehmen wolle; nach Bejahungdieser Frage giebt er sie zusammen undläßt dann den Bräutigam der Braut aufden Fuß treten, was ihre Besitzergreifungbedeutet. Die Räuber werden jedoch fest-genommen, ehe noch die Hochzeit zu Endeist. In dem aus dem vierzehnten Jahrhundert stammenden Gedichte „Von Metzen Hvchzit"wird die Ehe des Maiers Bärschi mit der Metzi gleichfalls durch einen Greis „geschaffenan' (ohne) Schüler und Pfaffen." Der Bräutigam bringt als Heiratsgnt einen Jnchart Landes,mit Flachs besät, ein Malter Hafer, zwei Schafe, einen Hahn, vierzehn Hühner und ein PfundPfennige; die Braut drei Bienenstöcke, eine Stute, einen Bock, ein Kalb, eine halbe Kuh undFerkel. Das Hochzeitsmahl ist mehr reichlich und fett als fein; es besteht aus Brot, Hirse,Mus, Rüben, Speck, Würsten und endet mit allgemeiner Trunkenheit. Am Morgen nach derHochzeit schenkt der Bräutigam der Braut ein Mutter-schwein zur Mvrgengabe, und dann ersterfolgt die kirchliche Trauung. Nach derselben wird der junge Gatte bon seinen Genossengezaust und geprügelt, und darauf geht das Schmausen und Trinken von neuem an; zurAbwechselung machen diesmal Erbsen, Kraut, Gerste, Linsen und Schüblinge (eine Art fetter,
Bauern, ihre Erzeugnisse feilbietend.
Kupferstich, 1512, von Albrecht Dürer <1471—1528).Faksimile in Originalgröße.
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