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Erster Band.
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Feste und Gebräuche des Volkes.

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Die sogen, große Kavalkade.

Mmiature in der für König Wenzel im Jahre 1400 ausgeführten Abschrift der „Goldenen Bulle".Wien, k. k. Hofbibliothek.

Von solchen Heimsuchungen hing aber gleicherweise das Leben aller Stände ab;mir halten die höheren weniger darunter zu leiden. Der Adel und die Geistlichkeit, denenJagd- und Fischereirechte zustanden, in gewissem Maße auch die Städter, kamen lange nicht soin Verlegenheit wie die Bauern, wenn die Ernte mißriet. Ihre Beschäftigung brachte es mitsich, daß die Ritter mit Vorliebe Wildbret, Geflügel und Fische sowie aus dem Fleische dieserTiere gefertigte Pasteten speisten, während die wohlhabenden Bauern Schweinefleisch, Würsteund Feldfrüchte aßen, die Armen aber von Rüben, Sauerkraut und Kohl sich nährten. DieVornehmen aßen mehr Weiß-, die Bauern mehr Schwarzbrot, und zwar wurde dasselbe mitder Kleie (also etwa wie das heutige Grahambrot) gebacken.

In abgelegenen Schlössern speisten die Ritter nicht besser als die Bauern. Selten wardort frisches Fleisch, Gemüse und Brot zu finden; man mußte sich oft mit eingesalzenem odergeräuchertem Fleisch, groben Hülsenfrüchten und altem Gebäcke begnügen. Selbst in vornehmenFamilien rechnete man Reiher, Kraniche, Störche, Krähen und sogar Geier (!) unter das eßbareGeflügel; gebratene Pfauen waren ein Gegenstand des Tafelluxus. Frisch erlegtes Wild wareine willkommene Abwechselung. Die Dienerschaft selbst königlicher Paläste mußte nicht seltenmit verdorbenem, übelriechendem Kuh-, Ziegen- und Schweinefleisch, mit abgestandenen Fischen,schwarzem, harten Brot und saurem Wein fürlieb nehmen. Ein allgemeines Lieblingsgerichtwaren die Hühner. Zu einem Hoftage Kaiser Friedrichs I. in Mainz (1184) wurden so vielegebraucht, daß zwei Häuser nötig waren, um alle die Hähne und Hühner unterzubringen. Derzahlreichen Fasttage wegen war auch der Verbrauch an Fischen sehr groß. Mit den von derSee her gesalzen eingeführten Heringen wurde im 12. und 13. Jahrhundert lebhafter Handelgetrieben. Fleisch und Fisch genoß man stark gewürzt, besonders mit Pfeffer und Safran;Pfeffer war sehr beliebt und wurde oft als Zoll und als Jndensteuer an Geldesstatt entrichtet.Käse, Obst und Beeren liebte man schon damals zum Nachtisch. Neben dem Brote, welches inverschiedenen Formen, auch in solchen von Menschen und Tieren, gebacken wurde, hatte manKuchen und Torten aller Art. Bei einer Hungersnot in Sachsen wurden im Jahre 1407nnßgroße Brötchen, das Stück zu drei Pfennigen, gebacken; zum Andenken erneuerte man siespäter am Marknstag und würzte sie, daher sie Uarei xanos (Marzipan) genannt wurden.

Man aß im Mittelalter meist um zehn Uhr zu Mittag und um sechs Uhr zu Abend; dasTafeltuch wurde selten gewaschen. In den Bürgerhäusern der Städte kochte man am Sonntagfür die ganze Woche und wärmte die Speisen an den Werktagen mir auf.