Italienischer Einfluß auf das deutsche Gelehrtentum. Die Husiten.
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Des letzteren Zeitgenosse, Johannes Wessel aus Groningen, wirkte als Kämpe der PlatonischenPhilosophie gegen die Aristotelische der Scholastiker; er ist von Luther als sein Vorläuferanerkannt worden. Wie er, so trat gegen die entartete Geistlichkeit und den Cölibat auch seinLandsmann Rudolf Husmann (Agricola) auf, der ebenfalls die alten Sprachen gründlichbeherrschte, der aber die Pflege der Muttersprache, ausnahmsweise, nicht hintansetzte und dasLatein mittels des Deutschen zu erläutern empfahl.
Und wie sah es nun im Reiche aus, als diese Männer eine neue Richtung des Denkensund Fühlens begründeten? Die Kaiser des fünfzehnten Jahrhunderts waren der Aufgabe,den Glanz des gesunkenen Reiches wieder herzustellen, nicht gewachsen. Der leichtlebigeund wankelmütige Sigmund (1411 — 1437), der den Feuertod des mutigen Böhmennicht hatte verhindern können oder wollen, belohnte die gelehrten Poeten mit Dichterkronen— Geld hatte er selbst keines, jagte aber eifrig danach — und bewies Ausdauer in gelehrtenGesprächen und im Anhören lateinischer Reden; sowohl in Italien als in Deutschland sah man
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Die Jilsignieii der Hofpoeten. Faksimile eines Albrecht Dürer zugeschriebenen Holzschnittes.
die Männer des Humanismus in seinem Gefolge. Dabei blieb er blind und gleichgültig gegendie Gefahren, die dem Reiche von außen und von innen drohten. Obschon (1391) selbstbei Nikopolis von den Türken geschlagen, die bereits über ein halbes Jahrhundert vor derWegnahme Konstantinopels an der unteren Donau festsaßen, unternahm er nichts gegen ihrunaufhaltsames Vordringen nach seinem Ungarn; ein Fehler, welchen nach ihm sein Sohn, dertapfere Hunyades, freilich gut machte. Und doch zitterte ganz Europa vor diesen Barbaren,von denen das Abendland aber noch so geringe Kenntnisse hatte, daß man sie allgemein fürHeiden und Mohammed für ihren Gott hielt. Ebensowenig bedachte Sigmund, was er that,als er durch die Kirche gegen die utraquistischen Tschechen, die Rächer des verbranntenHus, das Kreuz predigen ließ; aber diese slawischen Ketzer unterlagen nicht, wie einst dieromanischen Albigenser und die germanischen Stediuger, so sehr auch der WanderpredigerJohannes Capistranus gegen Husiten, Türken und Juden zugleich eiferte: sie schlugen diegegen sie gesandten Kreuzheere zurück. Und unter dem Banner des Kelches, für dessen Genußim Abendmahle zu jener Zeit religiöser Schwärmerei die Leute ebenso willig waren, zu töten,als sich töten zu lassen, brachen die Husiten seit 1420 jährlich nach allen Seiten in das „Reich"ein, verwüsteten, mordeten und brannten. Im Jahre 1446 warb Erzbischof Dietrich vonKöln 30 000 ihrer Krieger zu einer Fehde gegen die Stadt Soest an, deren Bürgerschaft aberunter ihrem Anführer Johann von Kleve die wilden husitischen Horden tapfer zurückschlug.