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Drittes Buch. VII. Die Schulen und der Humanismus.
Ihr schlimmes Beispiel wirkte ansteckend, es bildeten sich Räuberbanden, und ihre kommunistischenIdeen fanden auch anderwärts Anklang. Znr Gegenwehr gegen daraus entstehende Bestrebungenstiftete im Jahre 1443 Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg den Schwanenorden, demalle Edeln, Männer und Frauen, seines Landes angehörten, der aber nichts leistete und znrZeit der Reformation einging.
Wie wenig die Hnsiten, diese damaligen Radikalen, Gewissensfreiheit und Sitte achteten,lehren die maßlos durch sie verübten Greuel. Vor Wünschelburg in Schlesien z. B. wurde A
von ihnen im Jahre 1425, nach dem Berichte des Zeitgenossen Martin von Bolkenhain, derPfarrer Megerlin, welcher seinen Glauben nicht wechseln wollte, getötet, indem er in Strohgehüllt und dieses angezündet wurde; ein anderer Geistlicher wurde in siedendes Wasser geworfen.
Daß die Hnsiten zugleich gegen Widerlichkeit eiferten, kann solche Barbarei nicht gut machen;doch trieben es ihre Gegner, soweit sie konnten, ähnlich. Umsonst verfiel das Konzil von Baselin die Sinnlosigkeit, den Böhmen den Kelch zu bewilligen, den übrigen Christen aber nicht;die Hnsiten — nunmehr in zwei Parteien, die gemäßigten Kalixtiner und die puritanischenTaboriten gespalten — wüteten fort, sowohl unter sich als gegen das Reich. Erst in der zweitenHälfte des Jahrhunderts wurden sie friedliebend, und ihre strengeren Elemente verwuchsen nunmit den in Böhmen schon lange einheimischen Waldensern zu der Gemeinschaft der BöhmischenBrüder, in deren Kreisen der altchristliche Gebrauch, nicht die Kinder, sondern nur Erwachsenezu taufen, die erste feste Gestalt annahm, aber schon im Jahre 1536 wieder aufgegeben wurde.
Inzwischen hatte das Haus Habsburg wieder, und zwar für immer, den römisch-deutschenThron bestiegen (S. 305). Der Kaiser, unter dem das östliche Reich seinen Todeskampfgegen die Osmanen beendete, Friedrich III., welcher Astrologie und Alchemie trieb, frommund ceremoniös, aber ohne Sinn für die Aufgabe seiner Würde und daher wenig geachtet war,konnte selbst durch den beredten Enea Silvio nicht zu wahrer Teilnahme an den humanistischenBestrebungen aufgerüttelt werden. Ein ganz anderer Charakter tritt uns in seinem SohneMaximilian I., dem Augustus des Humanismus entgegen, der, wenn ihm reiche Geldmittelzu Gebote gestanden hätten, wohl ein Mediceer geworden wäre. Auch auf dem politischenFelde ließ es Max an hohem Streben nicht fehlen, wie wir sehen werden; daher war er derAbgott der Humanisten wie der Patrioten und wurde als der „letzte Ritter" gefeiert. Doch ^
war auch er nicht ganz der Mann nach dem Herzen jener Gelehrten; denn ihrer Favoritin,der Dichtkunst, zog er die Forschung und der Sprache Roms die eigene deutsche vor. Alsechtem Habsburger lag ihm vor allem an der Geschichte seines Hauses und seiner Ahnen.
Unter den Fürsten aber gab es vollends nur drei, welche des Lobes der Humanistenteilhaftig wurden. Zwei von ihnen spielten eine wichtigere Rolle als im Humanismus erstin der spätern Reformation, der Herzog und Kurfürst von Sachsen, Friedrich der Weise,und der Erzbischof und Kurfürst von Mainz, Albrecht von Hohenzollern; der dritte, HerzogEberhard im Bart von Württemberg (1445—1498), hatte die neue Richtung der Gelehr-samkeit in Italien am Hofe der Medici kennen gelernt und dem großen Lvrenzo Aug' inAuge gesehen. Er, der „sein Haupt jedem Unterthan in den Schoß legen" durfte, studierteeifrig die alten Griechen und Römer, wenn auch nur in Übersetzungen.
Weit mehr Boden als an den Fürstenhöfen fand die Neigung zum klassischen Altertumin den Städten, deren Bestrebungen, wie wir bereits angedeutet haben, manches Verwandtemit Hellas und Rom hatten (S. 386). In Straßbnrg, Augsburg und Nürnberg besaßen dieHumanisten den größten Einfluß. Denn die Städte waren nunmehr der Sitz eigener Schulen.
Die Gründung städtischer Unterrichtsanstalten hatte den Widerstand der Geistlichkeit zuüberwinden gehabt, welche darin eine unberechtigte.Beeinträchtigung ihrer Dom- und Kloster-schulen erblickte; es waltete aber keineswegs die Absicht, letzteren entgegenzuarbeiten, sondern >
die Städte wollten, wie in allen Gebieten der Stadtverwaltung, so auch in dem der Schuleunabhängig sein. Endlich aber hatten sie die Einwilligung der kirchlichen Gewalten zurErrichtung von Stadtschulen erlangt; dieselben behielten in ihrer Lehrart den kirchlich-klöster-lichen Charakter bei, legten das Hauptgewicht auf die lateinische Sprache und ließen die Schülerdurch ihren Gesang bei den Gottesdiensten mitwirken. Die deutsche Muttersprache war in diesen