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Drittes Buch. VII. Die Schulen und der Humanismus.
Zierbuchstabe
mit Darstellung einer Schulstube.
Aus Aelius Donatus, äs ooto partidusoratiovis; xylographische Ausgabe vonKarl Dinckmut, um 1475.
In
von Schl
um zwölf Uhr; von zehn Uhr an war Mittags-pause. Schulfrei waren nur die Kirchenfeste;längere Ferien gab es nicht, wohl aber Schulfeste.Zu diesen gehörte der Nikolaustag (V. Dezember),an dem die weitverbreitete Unsitte im Gange war,daß ein Knabenbischof aufgestellt wurde, welcherim Ornat in der Kirche auf kölnische Weise seinenMitschülern den Segen erteilte. Im Sommeraber erlustigten sich die Schüler am „Virgatum-gehen," indem sie unter Spielen und Scherzenim Walde die Ruten schnitten, mit denen siedas Jahr hindurch gezüchtigt wurden. AndereSchulstrafen wurden auf dem Lupus und Asinusverbüßt: Wolf und Esel nachahmende Holz-figuren, auf denen Fehlbare sitzen mußten.
In der Zeit wilder Gärung der Geister,welche uns hier beschäftigt, schwankte dasSchulwesen zwischen edlem Streben nach höhe-ren und besseren Zielen einerseits und roherAnarchie des Lebens und Lernens andererseits.Ernstere Zucht waltete vorzugsweise in den Schulen der Brüder vom gemeinsamenLeben, welche arme Schüler unentgeltlich unterrichteten. Schon zu Anfang desfünfzehnten Jahrhunderts zählte die Schule in Zwolle achthundert bis tausendSchüler, von denen siebzig bis achtzig zumal um den Rektor Johannes Cele ver-sammelt waren. Sie bewohnten mehrere Häuser und standen unter beständigerAufsicht, welche ehrwürdige Frauen mit dem Titel Ober- und Untermartha führten.In Amersfoort soll damals die Kenntnis des Lateinischen unter der Bevölkerungallgemein und die des Griechischen beträchtlich gewesen sein. Der berühmtestePädagog dieser Brüderschaft war Wohl Gerhard Grootes Nachfolger FlorenzRadewyn aus Utrecht, welchen Thomas von Kempen einen „Mann göttlicherWeisheit" genannt hat, und der von den Schülern wie ein Patriarch geehrt wurde.Die veralteten grammatischen Methoden, welche die willkürlichsten, ja verrücktestenWorterklärungen beliebt zu machen suchten (z. B. lietor aus lsgis ietor!) wurdenin diesen Schulen durch neue auf der Grundlage des klassischen Latein ruhendeverdrängt, die freilich „von Seltsamkeiten noch lange nicht frei waren." DerUnterricht im Griechischen wurde allgemeiner verbreitet. Das übermäßige Prügeln,welches bis dahin die Schule vorwiegend regiert hatte und vielfach ohne Grund,bloß zur „Demütigung" der Schüler Anwendung fand, wurde beschränkt. Gegendas Ende des Jahrhunderts wirkte in Deventer, dem Hauptsitze der „Brüder,"Alexander Heg ins, ein Schüler Agricolas, obschon älter als dieser, welcher derLehrer der meisten jüngeren und vieler der bedeutendsten Humanisten gewordenist. Er „zwang sich zur Nachtarbeit dadurch, daß er einen angezündeten Kerzen-stumpf in die Hand nahm, um, falls er vom Schlafe übermannt würde, durchdas weiterbrennende Licht sofort geweckt zu werden." Vom Griechischen wußteer noch nicht viel; aber lateinisch, und zwar in antiken Metren, besang der frommeMann Maria und die Heiligen.
ähnlicher Weise, wie Deventer im Norden Deutschlands wirkte, nahm die Schuleettstadt im Elsaß Einfluß auf den Süden. Während der erste ihrer namhaften