Schüler und Studenten. Schuleinrichtungen.
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Lehrer, Dringenberg (zur Zeit des Untergangs Karls des Kühnen), noch höchst fehlerhaftelateinische Verse machte und durch seine Schüler machen ließ , war einer seiner Nachfolger,Johann Witz, genannt Sapidns, zur Zeit des Beginns der Reformation einer der gefeiertstenLehrer Deutschlands, der um diese Zeit (1521) mehr als 900 Schüler unterrichtete.
Solche Schulen waren es, welche der angedeuteten, im Unterrichtswesen noch vielfachherrschenden Roheit den meisten Abbruch thaten. Die Träger dieses Böotismus waren diefahrenden Schüler. Es gab ihrer zweierlei: sogenannte Studenten, auch Bacchanten oderUsani genannt (angeblich aus bse sanns, Gelbschnabel), welche schon Schulen besucht, aber nichtsgelernt hatten, und sogenannte Schüler, „Schützen" geheißen, Knaben, denen das Schullebennoch fremd war. Die Bacchanten nahmen die Schützen auf ihren unsteten Wanderungen mitsich und behandelten sie wie Sklaven; Rutenstreiche trieben sie vorwärts, wenn sie müde waren;Schläge zwangen sie von Haus zu Haus zu betteln, sogar zu stehlen und Hausgeflügel mitSteinen tot zu werfen, um es dann zu verzehren. Was dermaßen „erworben" wurde, behieltendie Studenten oft genug ganz für sich allein, ließen die unglücklichen Trabanten hungernund frieren, und prügelten sie noch obendrein. Es gab sogar Lehrer, welche sich zu demTreiben der Bacchanten erniedrigten! So ging es von Land zu Land, durch das ganzeDeutsche Reich, aus der Schweiz bis nach Polen und von Holland bis nach Ungarn, ohnedaß die „fahrenden Schüler" eine Schule besuchten oder auch nur ein Buch lasen, wasüberhaupt noch eine seltene Ware war. Kamen sie in eine Stadt, in der sich Schulen befanden,
so sangen sie vor den Häusern oder bettelten und wurden von den seßhaften Schülern ver-
höhnt und mißhandelt. Ja es kam vor, daß letztere unter Anführung ihrer Lehrer auszogen,die Nomaden aus ihrer Herberge in die Schule abzuholen, von ihnen aber, denen das freieLeben lieber war, mit blutigen Köpfen heimgeschickt wurden. Oft indes liefen die Schützen,der Mißhandlungen müde, ihren Bacchanten davon und begannen, wenn sie das Glück hatten,von denselben nicht wieder eingefangen zu werden, Schulen zu besuchen.
Die Schnlhänser pflegten entsetzlich unreinlich zu sein; Zimmer, Betten und Kleider
der Schüler wimmelten oft von Ungeziefer. Die Folgen der auf der Reise ausgestandenen
Strapazen sowohl, als auch die Ansammlung vieler Schüler an einem Orte brachten dieKrätze und andere Krankheiten unter ihnen zum Ausbruch; die davon Befallenen erhielteneine natürlich den schwachen ärztlichen Kenntnissen und den hygieinischen Ansichten der Zeitgemäße Verpflegung, zu deren Kosten sie einen kleinen Beitrag zu leisten hatten.
Ansehnlichere Städte besaßen mehrere Schulen, meist so viele als Kirchen, in deren Nähedie Schnlhänser auch gelegen waren. Die Schüler der einzelnen Pfarrbezirke durften in einemandern weder betteln noch singen, und Übertretungen dieses Verbotes hatten nicht selten blutigeHändel zwischen den verschiedenen Quartieren zur Folge. Meist lebten die Schüler in Konviktenzusammen; am Gymnasium zu St. Elisabeth in Breslau z. B. befanden sich über hundertKammern für „Studenten"; die Schüler freilich mußten auf dem Boden der Schulstube schlafen.In warmen Sommernächten trugen sie das Gras, das man nach damaliger Sitte vor dieHäuser streute, in einen Winkel des Kirchhofs zu einem Lager zusammen, das sie der Schul-stnbe vorzogen, welche ihnen dann nur als Zufluchtsort bei Regenwetter diente. Drohte einGewitter, so wurden unter Leitung des Kantors fast die ganze Nacht Litaneien gesungen.Oft gingen die Schüler an den Sommerabenden nach dem gemeinsamen Nachtessen in dieBierhäuser und wurden von den betrunkenen Gästen in denselben Zustand versetzt.
Bei dem Vagabnndenleben vieler Schüler wuchs oft genug einer an das Mannesalterheran, ohne etwas gelernt zu haben, wie z. B. der Schweizer Thomas Plater aus demWallis und der Franke Johannes Butzbach aus Miltenberg von sich selbst erzählen. Ermanntensich dann viele, die so zurückgeblieben waren, gleichzeitig, so wurden manche Schulen in unglaub-licher Weise überfüllt. In Breslau dozierten einst nenn Laeealanrsi zugleich in derselbenStube, und unter den Schillern des Sapidns waren viele, die zwanzig und mehr Jahre altwaren, aber erst die Anfangsgründe lernten und neben kleinen Knaben auf der Schulbanksaßen (so Plater). Solche verspätete Musenjünger waren aber oft von so großem Eifer beseelt,daß sie, obschon aus Not gezwungen, ein Handwerk zu ergreifen, daneben ihre Studien beharrlich,