Wandelungen in der Stadteverwaltung.
469
Aber die Zeiten hatten sich geändert. Der mittelalterliche Römerzug scheiterte an derGleichgültigkeit, ja an dem Verrate deutscher, von Frankreich gewonnener Fürsten, an demWiderstand des italienischen Patriotismus Papst Julius' II. und an der Feindschaft der stolzenSignoria von Venedig, welche, obschon bereits nicht mehr auf ihrer einst schwindelnden Macht-höhe, den Deutschen den Weg nach Rom sperrte.
Papst und Kaiser gingen von da an ihre eigenen Wege. In Trient legte sich Maximilianaus eigener Machtvollkommenheit den'Kaisertitel bei, und die Römerzüge hatten ihr Ende erreicht.
Eine weitere charakteristische Zeiterscheinnng des Übergangs vom fünfzehnten zum sech-zehnten Jahrhundert war die aristokratische Umgestaltung des Regiments der Städte, soweit
MW
WWW
Gerichtsverhandlung; rechts und links im Vordergründe abgehende Gerichtsboten, im Hintergründe links die Folter.Titelbild aus: Gerichts Ordenung vnd Proceß / ietzläuffiger Übungen / Mit Rechtrnässiger deren Gründ vnd klarer anzeyg / in Keyser-lichen vnnd Geystlichen Rechten. Gedruckt zu Straßburg. 1530.
dasselbe im Mittelalter demokratisch geworden war. Es stimmte dies trefflich zu der stetsanwachsenden Macht der Fürsten, die sich kaum mehr als dem Reiche unterstellt anerkannten,namentlich seitdem der Kaisertitcl thatsächlich ein bloßer Schmuck des jeweiligen österreichischenFamilienhauptes war. Jene Umgestaltung in den Städten geschah auch diesmal wieder inAnalogie mit der altrömischen Geschichte. Wie dort aus der Verbindung von Patriziern undreichen Plebejern die „Optimalen" hervorgingen, so verschmolzen hier die an Zahl abnehmendenJunker mit den angesehensten Zunftleuten, mit welchen gemeinschaftlich sie die übrigen Bürgerniederhielten, zu dem neuen, großenteils nur geringer Herkunft sich rühmenden „Patriziat".Ein schlagendes Beispiel dieser Emporkömmlinge sind die Fugger in Augsburg: im vierzehntenJahrhundert noch arme Weber, im fünfzehnten reiche Kaufleute, im sechzehnten die damaligenRothschilds Gläubiger des Herrschers, in dessen Reichen „die Sonne nicht unterging".
4