Die Holzschnitzerei. Der pommersche Kunstschrank.
95
Hauptsitz aller kunstgewerblichen Arbeit war um die Zeit von 1600 Augs-burg. Hier wurde für Kaiser und Könige, für die Fürsten und alle Vor-nehmen gearbeitet. Hier wurde auch das „größte Meisterwerk", andem alle möglichen Zweige des Knnstgewerbes mitgewirkt haben,ausgeführt: der „pommersche Kunstschrank", dessen Übergabean Herzog Philipp II. von Pommern das in unsererTafel wiedergegebene Bild, welches mit imSchranke enthalten war, darstellt. DieserSchrank, ein vollgültiges Probestückdes Kunstgeschmackes seiner Zeit,ist das am höchsten voll-endete und am bestenerhaltene Exem-plar jener
Schnitzwerk am Geländerder Wendeltreppe im Rathauszu Bremen. Anfang des 17. Jahrh.(Nach Mittelsdcrf, bei Ortwein.)
mit unzähligen Schubladen versehenen Kabinette,welche im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundertmit allem in dieser Blütezeit deutscher Kunstfertigkeit üb-lichem Geschick und Glänze ausgeführt wurden. Sie warenbestimmt, die kleinen Gerätschaften aufzunehmen, welche zum täg-lichen Hausbedarf eines vornehmen Herrn jener Zeit gehörten. AlleToilettegegenstände, Bürsten und Kämme; eine Apotheke mit Büchsen, Wagen,Mörsern, Kompressen, Schröpfköpfen und Aderlaßbestecken; alle Vorrichtungen zumSchreiben, Lesen, Zeichnen und Messen; mathematische Instrumente; Eß- und Trinkgeschirr;Handwerkszeug jeder Art; natürlich auch alle erdenklichen Spiele, silberne gravierte Karten,