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Zweiter Band.
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Der Bildersturm. Albas Blutrat. Moritz von Oranien.

der nördlichen Niederlande gesichert hat: der Fanatismus von beiden Seiten, der katholischeSpaniens, welcher das Land durch seine Greuel zur Losreißung antrieb, und derjenige derCalvinisten. Der letztere hat freilich viel gesündigt. Seinen Trägern fehlte es nicht an demWillen und vielfach auch nicht an der That, es der römisch-spanischen Inquisition gleich zuthun; auch ist ihm zu großem Teile die Niederlage des Aufstandes im Süden zuzuschreiben.Aber ohne ihn wäre auch dem Norden die Freiheit nicht aufgegangen; denn es ist zweifellos,daß zur Zeit des Erringens der Unabhängigkeit auch in den nördlichen Provinzen die großeMehrheit der Bevölkerung noch dem katholischen Bekenntnisse anhing. Waren aber auch diemeisten dieser Katholiken Gegner der spanischen Herrschaft und Freunde einer Unabhängigkeit,welche ihren Glauben unangetastet ließ, so war doch von ihnen ein thatkräftiges Vorgehengegen den Landesunterdrücker nicht zu erwarten. Diese Aufgabe ruhte ganz auf den Calvinisten.Der größte Teil derselben fühlte sich durch diese Thatsache aber berechtigt zum Fanatismusund zum gewaltsamen Vorgehen gegen die Partei, welcher die Mörder der Bartholomäusnachtund die Anstifter der Attentate gegen Heinrich IV., Königin Elisabeth und Wilhelm von Oranienangehörten.

Es war hart und nicht im Geiste des duldsamen Wilhelm von Nassau, daß seine Ver-wandten die Provinzen mit Waffengewalt reformierten und wiederholt die Ausübung des Katho-lizismus verboten. Allein das geschah auch niemals vollständig, nicht auf die Dauer und niemalsmit derselben Rücksichtslosigkeit, wie es von der andern Seite geschehen war. Heute noch giebtes in Holland zahlreiche Katholiken, in Belgien aber beinahe keine Protestanten. Im ganzenherrschte Glaubensfreiheit im befreiten Lande, und wenn man den Zutritt zu den StaatsäMternaus die Calvinisten beschränkte und damit die dem Namen nach herrschende Demokratie zurthatsächlichen Oligarchie machte, so war dies damals so viel als Wahrung der Unabhängigkeitgegen die Rückkehr spanischer Herrschaft. Die Lutheraner und Sektierer wurden ebenso hartbehandelt wie die Katholiken, weil man nach Einheit des Glaubens strebte. Die Juden wurdenzwar geduldet, doch empfindlich zurückgesetzt; die Ehe mit Christen war ihnen verboten.

Wie wenig die Zeit und im besonderen die Niederlande noch zu freieren religiösen Ansichtenreif waren, zeigt am besten der Prozeß eines ihrer berühmtesten Staatsmänner, des edelnOldenbarnevelt (1547—1619), welcher durch seine Enthauptung es büßen mußte, daß dievon ihm unterstützte Opposition gegen das starre calvinische Dogma der Prädestination mitden föderalistisch-oligarchischen Bestrebungen der Provinz Holland, in deren Verwaltung Olden-barnevelt als Großpensionar saß, in Verbindung getreten war. So traurig der Untergangdes verdienten Mannes war, so muß doch anerkannt werden, daß die Verbindung des centra-listischen mit dem orthodox-calvinistischen Element das einzige war, was damals die Nieder-lande in ihrer Freiheit erhalten konnte. Der Sohn Wilhelms, Moritz von Oranien (1567 bis1625), der ungelehrte Krieger, der sich um die Prädestination sehr wenig kümmerte, war derTräger dieser Verbindung und er hat die Niederlande thatsächlich befreit.

Diese Richtung verhinderte auch die Rückkehr zu Deutschland, dessen krankes Reich das Landnicht nur nicht schützen konnte, sondern weil es selbst im Besitze von Verwandten des spanischenHauses war, ihm sogar gefährlich geworden wäre. Hatten ja die „Vereinigten Niederlande"mit französischer und englischer Schutzherrschaft die schlimmsten Erfahrungen gemacht. Sieversuchten daher, sich auf eigene Füße zu stellen; und es gelang auf die überraschendste Weise.

Dieses Land war, bei allem Scheine der Unduldsamkeit, nicht nur das duldsamste Landjener Zeit, sondern die Wiege und die Quelle von allem, was die Gegenwart, abgesehen vonvorübergehenden Bestrebungen kopflos umstürzlerischer Parteien, im vernünftigen und mäßigenSinn unter Freiheit und Fortschritt versteht. Es war in Dortrecht, wo die erste reformierteSynode Hollands und Seelands das wirksamste Mittel gegen allen Gewissenszwang, die Civileheschuf, die seitdem langsam, aber für die Dauer sich in den meisten civilisierten Ländern fest-gesetzt hat. Dort war es auch, wo der moderne Staat sich ausbildete und seinen ersten Ver-kündig« in dem rechtsgelehrten Hugo de Groot (Grotius, 1583—1645) erhielt. Durch dieUnterstützung, die in seinen Schriften Oldenbarnevelt fand, wurde er zu einem Leidensgenossendesselben; er entfloh aber der über ihn verhängten lebenslänglichen Kerkerstrafe mit Hilfe seiner