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Zweiter Band.
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Das Theater des sechzehnten Jahrhunderts.

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die indessen nicht streng von einander geschieden sind. Seine Stoffe entnahm er der Bibel, derantiken Mythologie, der griechischen, römischen und mittelalterlichen Geschichte, der deutschenwie der keltischen Heldensage, den Volksbüchern und italienischen Novellen, sowie der damalsim Zeitgeschmäcke aufkommenden Allegorie und endlich dem täglichen Leben seiner Zeit, derenThorheiten er in den Fastnachtspielen nicht schonte. Hans Sachs bearbeitete Aristophanes,Plautus, Terenz und ein Stück von Reuchlin; kurz, er ließ sich nichts entgehen, was im Bereicheder damaligen Bildung lag. Seine Tendenz war bei allen Stücken eine moralische, hinterwelcher die Poesie zurücktrat; umsonst sucht man bei ihm irgend eine Frivolität. Die scenischeAnordnung war ihm Nebensache; sie kam auch damals wenig in Betracht. Zeitunterschiedewurden fast gar nicht berücksichtigt; Jahre erschienen im Handumkehren als verflossen. Rück-sichten auf die Möglichkeit der Darstellung gab es nicht; darüber setzte man sich mit Andeutungenhinweg. Auf der Scene haut David dem Goliath den Kopf ab, ebenso wie Simson denPhilisterpalast umstürzt. Die Stücke sind in drei bis zehn Akte eingeteilt und werden mitAnreden durch einen Herold (Ehrenhold), in denen das Publikum oft zur Ruhe ermähnt wird,eröffnet und geschlossen. Frauen spielten nicht mit; ihre Rollen fielen unbärtigen Jünglingen zu.Einen Vorhang kannte man noch nicht; am Ende des Aktes traten alle Personen ab. Hans Sachswar selbst Theaterdirektor und Regisseur seiner Stücke und spielte oft selbst mit. Daß er inNürnberg Nachfolger hatte, ist begreiflich, aber namentlich Augsburg trat für die Hebung derVolksbühne ein; und in beiden Städten wetteiferten mit den Meistersingern wieder die Schülerder lateinischen Schulen, deren Sprache und Stücke aber natürlich im alten Rom wurzelten.Beide Stände spielten nicht im Freien, sondern in größeren Lokalen, in Kirchen, Klöstern undSälen. Die Räte der Städte unterwarfen die Stücke selbst ihrer Censur und übten strengeKontrolle über Ort und Zeit der Aufführungen; den Eintrittspreis setzten sie auf zwei Kreuzer fest.

In Sachsen hatte eine von der Kirche unabhängige Schauspielkunst schon in der Refor-mationszeit zu erblühen begonnen. Dort fand das gelehrte Drama entschiedene Pflege durchPaul Rebhun aus Berlin, der als Freund Luthers 1542 Pfarrer in Ölsnitz wurde; erüberragte in dieser Richtung alle seine Zeitgenossen so weit, „daß er aus jener Epoche als dereinzige bezeichnet werden kann, der schon höhere Begriffe von der dramatischen Dichtung alsKunst hatte." Er entnahm zwar seine Stoffe ausschließlich der Bibel, überwand aber dieNnbeholfenheiten, in welchen noch Hans Sachs, der unbedeutenderen Bühnendichter nicht zugedenken, befangen war, und bereicherte seine Stücke durch den Aktschlüssen angehängte Chöre,die dichterisch empfunden sind. Noch länger als in anderen Landen dauerte in Sachsen daskonfessionelle Tendenzdrama fort; in ihm zeigten sich die Verfasser beider Bekenntnisse gleichfanatisch im Glauben, gleich niedrig in der Herabsetzung ihrer Gegner, und über diesePolemik, sowie über die Bibel und den — Teufel, die ihren Zwecken dienen mußten, gingenbeide nicht hinaus.

Gegen das Ende des sechzehnten Jahrhunderts nahmen die deutschen Bühnenstücke eineins ungeheuerliche wachsende Breite an. Schrankenlos und massenhaft wurde die Zahl derhandelnden Personen. Die Dauer der Aufführungen, zu welchen sich Bürger und Studentenverbanden und sogar Kinder zum Spielen herbeigezogen wurden, schleppte sich durch mehrereTage hin. Ganze Türkenschlachten wurden auf dem Theater geliefert und der Sultan, bei denProtestanten auch der Papst, wurden in die Hölle geworfen. Der Geschmack verirrte sich soweit,daß in einem Stücke sämtliche türkische Sultane von Osman an bis in das sechzehnte Jahr-hundert unter Angabe ihrer Regierungszeit (!) vorgeführt wurden. Den mangelnden Geistersetzten in diesen Dramen Feuerwerke, namentlich wenn die Hölle auf der Bühne erschien.Neben den biblischen Stücken fanden „Moralitäten", d. h. Tugendpredigten in dramatischer Formvielen Beifall. Die Allegorie artete zur krankhaften Sucht aus und überwucherte immer mehrdie Naturwährheit und die Naivetät der früheren Zeit. Dabei nahmen die deutschen Auf-führungen der Bürger, wie die lateinischen der Schüler ihren Weg über das ganze deutscheSprachgebiet bis nach Livland, wo in Riga eines der besten Stücke jener Zeit, „der verloreneSohn" von Burkard Waldis, der dort die Reformation befördert hätte, gegeben wurde. InMecklenburg und den angrenzenden Gegenden war die Sprache der Spiele plattdeutsch.