172 Viertes Buch. IX. Das dreißigjährige Kriegselend.
der Krieg ihnen wie den Professoren das Brot wegnahm; kehrten sie dann aus dem Feldean die Hochschule zurück, so brachten sie. alle Unsitten des Lagerlebens mit. Das Ende vomLiede war, daß sie heruntergekommen, krank und zerlumpt die ^lmu Unter verlassen mußten.Unter den Studenten in Jena hatte seit 1620 der Fechtmeister Wilhelm Kraußler eine eigeneFechtart eingeführt, welche den Haudegen zum Stoßen zu verwenden begann. Erst im Jahre1684 wurde die erste Verordnung gegen das Duellieren der Studenten erlassen; dieselbe be-drohte die Herausforderungen mit Zuchthaus und die Sekundanten mit Gefängnis, — aberohne Erfolg. Zahllose Studierende kamen als Krüppel von der Universität nach Hause oderwurden als Leichen den trostlosen Angehörigen gebracht.
Zwei Figuren aus Andreas Klett's „Ernsthafte Partuisane". Altdorf 1680.
1. Wie die Partisane beim Marschieren getragen wird. 2. „Das Spanische Prum."
„Nehmet die Partisane bey dem Schuh in die rechte Hand allein > wie Num. 14. weiset > bringet sie in Schwung I setzet denrechten Fuß vor I schwencket den lincken vor den rechten > und den rechten hinter den lincken Fuß > lasset die Stange in dieRunde fliegen I und machet solches vorwärts > so lange euch beliebet I indem ihr aber dieselbe Lini wiederum abwärts gehenwollet > so setzet den lincken Fuß vor > schrencket den rechten hinter den Lincken I und spielet solches zu euren Vortheil > letzlichen
mit doppelten Schlägen bringet euch eu§arä."
Wirkte der Krieg in solcher Weise zersetzend auf die Hochschulen, so mußte sein Einflußauf die vielen über das Land zerstreuten mittleren und niederen Schulen noch weit verderb-licher sein. Protestantische Schulen wurden, wo die Anhänger der päpstlichen Kirche siegten,kurzweg in jesuitische umgewandelt; folgte das Kriegsglück dann aber wieder den Fahnen einesprotestantischen Fürsten, so wurde der frühere Zustand wiederum hergestellt. Manche Schuleaber wurde auch ganz aufgelöst, weil in den kriegerischen Zeiten die Bedingungen ihres Be-stehens untergraben worden waren. Lehrer wie Schüler hatten oft genug weder zu essen nochein Obdach; die Schulräume fanden zu Bedürfnissen des Krieges Verwendung, solange sie nichtder Zerstörung anheim fielen. Wurden die Dörfer verbrannt, so verschwanden natürlich auchdie Schulen; die Verzweiflung der ausgeplünderten Familien, denen der Krieg so viele Mit-glieder geraubt hatte, stumpfte den Lerntrieb ab.
Dagegen hat der zerstörende Krieg für das Schulwesen auch eine bemerkenswerte auf-bauende Folge gehabt; indem er die Menschen mehr als declinierte, machte er zahllosen über-flüssigen lateinischen Schulen, deren es selbst in Dörfern gab, ein Ende. Das trug mit dazubei, daß man nach wiedergewonnenem Frieden zur Ersetzung jener unnützen Anstalten durchdeutsche Schulen und damit zur Gründung der späteren deutschen Volksschule schreiten mußte.
Nichts beweist so sehr die Kraft des deutschen Volkes, als die Thatsache, daß es ein soentsetzliches, aller Beschreibung spottendes Unglück, wie es das dreißigjährige Kriegselend war,nicht nur zu überdauern, sondern zu verschmerzen, zu lindern und endlich seine schweren Folgenzu überwinden vermochte. Augsburg, Nürnberg und einige andere Städte machten sich denKrieg insofern zu nutze, als sie einen schwunghaften Waffenhandel betrieben; sie verstanden esauch sonst, durch alle Kriegswirren hindurch ihren Handel zu erhalten. Hamburg und Bremenwußten sich durch den Seehandel vom allgemeinen Verfalle, dem auch Lübeck nicht entging,