Schulzustände. 173
freizuhalten. Im übrigen Reiche hat die Arbeit der Wiedererhebung Jahrhunderte in An-spruch genommen.
Sie mußte bestehen in der Bildung eines wahrhaft deutschen Schrifttums und in derSchöpfung eines wahrhaft deutschen Reiches.
Beide Gebiete haben aus der Kriegszeit selbst Anregungen erhalten, so sonderbar diesauch erscheinen mag. Die fremden Völker, welche an dem Kriege beteiligt waren, Franzosen,Italiener, Spanier, Schweden, außer ihnen auch die Engländer, von deren gleichzeitiger puri-tanischer Revolution man in Deutschland so viel hörte, besaßen — die Schweden noch aus-genommen — Nationallitteraturen und festgegründete, einheitliche Nationalstaaten, hierin mitAusnahme Italiens. Deutschland dagegen war zerrissen, hatte mit der Schweiz und Hollandseine tüchtigsten Grenzländer verloren oder mußte sie, Elsaß und Pommern, im Friedensschlußabtreten. Und was die Deutschen an freilich derber und rauher Litteratur noch besaßen, daswar, als der Krieg ausbrach, verklungen. Daher reizte die durch den Krieg stattfindende Be-rührung mit fremden Völkern zur Nachahmung.
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Das „Malefiz-Haus" zu Bamberg, erbaut 1627. Faksimile eines gleichzeitigen Kupferstiches.Das mit L bezeichnete Gebäude enthält die Folterkammer; ^ ist ein Bach, der unter ihr durchstießt.
Der Kaiser suchte, mit Hilfe der Jesuiten, aus Deutschland ein nördliches Spanien zuformen; die Fürsten ahmten Schweden oder Frankreich nach. Straffere Anspannung der Staats-gewalt war bei allen das Ziel; natürlich war sie auf kaiserlicher und fürstlicher Seite zugleichnicht möglich. Deshalb mußte diese Bestrebung einem Zusammenstoße vorarbeiten. DasKaisertum behielt zwar seinen Nimbus, an Boden aber verlor es noch mehr als früher undimmer weiter zog es sich auf Österreich zurück, in dem die spanische Schablone reißende