Friedrich Nicolai. Moses Mendelssohn. Das Erziehungswesen. Die Volksschule. Z41
Gymnasien vorbereitet worden war. Die Bedürfnisse des praktischen Lebens gewannen immermehr Boden neben den früher allgemein geltenden Grundlagen der Bildung des Gelehrtcn-standes, und nun erhielten sie ihre eigene Schule. Semlers Programm umfaßte die Lehrevon Maß und Gewicht, Mineralien, Holz, Farben, vom Messen, Acker-, Garten- und Honig-bau, Kalender, Astronomie, Geographie, Geschichte, sogar Anatomie, Diätetik und Polizeiordnung,'Thomasius und Wolf billigten, die Regierung und Akademie von Preußen genehmigten diesenLehrplan. Bedeutender wurde indessen die Realschule, welche von Johann Julius Hecker, auchein Zögling der Franckeschen Stiftungen, noch in dem nämlichen Jahre in Berlin gegründetwurde; sie war in eine deutsche, lateinische und realistische Abteilung gegliedert und wurdeim Jahre 1748 als königliche Realschule anerkannt. Nach ihrem Muster entstand dieFriedrichs-Realschule in Breslau. Heckers Nachfolger, Friedrich Hahn, ebenfalls Pietist,erweiterte den mathematischen und technischen Unterricht und gründete diesen auf die An-schauung, welche durch eine Sammlung von geeigneten Gegenständen unterstützt wurde. Man
Das chemische Laboratorium der Universität Altdors.Faksimile des Kupferstiches von Puschner.
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sah da Modelle von Gebäuden, Schiffen, Schränken, Pflügen, Butterfässern, Säulen, plastischenWerken, Waren aller Art; ein botanischer Garten und eine Maulbeerpflanzung gestaltetendie Sache noch vielseitiger. Aus dieser Realschule zweigte sich im Jahre 1753 das ersteSchullehrerseminar ab, dem in erstaunlich kurzer Zeit ähnliche Institute in ganz Deutsch-land folgten, unter welchen namentlich das von Seniler und Schütz in Halle errichtete her-vorragte.
Durch sie wurde die Volksschule allmählich in ein neues Zeitalter ihres Lebens hinüber-geführt. Aus den Seminarien traten nach und nach Männer an die Spitze der Schule, diebesser wußten, was ihre Pflicht war, als die Zuchtmeister, welche bisher die Jugend gequälthatten. Die ältere Lehrerschaft war vielfach von sehr untergeordneter Art gewesen, eine höhereAuffassung ihres Berufes hatte ihr fast gänzlich gefehlt. Unter diesen Schulmeistern hat derSchwabe Häuberle durch die peinliche Genauigkeit, mit welcher er in einundfünfzig Jahren