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Zweiter Band.
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Einfluß Rousseaus. Basedow.

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der Erklärung der Kirche war der Mensch von Natur schlecht, — Rousseau hielt ihn für vonNatur gut. Jetzt weiß man aus Erfahrung, daß beide Recht und Unrecht hatten.

Rousseau hatte nur den von einem Hauslehrer geleiteten Zögling im Auge; seine deutschenJünger schritten, der Zucht und Gründlichkeit ihres Volkes gemäß, weiter, — zur Schule.

Der deutsche Bearbeiter der Erziehungslehre Rousseaus war der Hamburger JohannBernhard Basedow (1723—1790). Seitdem Jahre 1771 schrieb derselbe mehrerepädagogische Werke, unter welchen das„Elementarwerk" das bedeutendste war:ein Bilderbuch mit Erläuterungen, dasdurch seine Sucht, alles, auch die ab-straktesten Begriffe, abzubilden, für unserejetzigen Anschauungen lächerlich erscheint,und in dem alles ohne System durch-einander geworfen und dabei selbst dasUnschickliche nicht vermieden wurde.

Im Jahre 1774 gründete Basedowin Dessau mit fürstlicher Unterstützung undunter dem Beistände seines Mitarbeitersam Elementarwerk, Christian HeinrichWolke, sein „Philanthropin". Wolkewar ein pädagogischer Experimentieren';er wählte Basedows Töchterchen, das nachRousseaus Schülermodell Emil „Emilie"genannt worden war, zum Objekt seinerErziehungsversuche, und zwar schon ehedasselbe ein Jahr alt war. Bevor eszwei Jahre zählte, konnte das Wunder-kind lesen; mit vierundeinhalb begannEmilie lateinisch zu lernen und lerntees fertig.

Im „Philanthropin" nun sollte dieMenge eben das werden, was EmilieBasedow allein geworden war, — eineSchar von Wunderkindern. Es war ge-wissermaßen die „Potsdamer Garde" alsSchule, eine geistige Drillanstalt. DieZöglinge, außer Emilie lauter Knaben,sollten zwar mit körperlicher Züchtigungverschont, durch Liebe erzogen, dabei aberabgehärtet, von anstrengendem Lernen,von der Modekleidung ihrer Zeit, vonAberglauben, Gespensterfurcht und kon-fessionellen Vorurteilen befreit werden. Das war alles recht schön; aber die Ergebnissewurden zu einer oberflächlichen und teilweise selbst unwürdigen Dressur, wie die Prüfungzeigte, welche Basedow und Wolke siebzehn Monate nach Eröffnung des Institutes abhieltenund zu welcher ersterer in seinem neu gegründeten „philanthropischen Archiv" (1776) alle„Kosmopolitiker" eingeladen hatte. Im Gegensatze zur realistischen Richtung wurde in derAnstalt lateinisch gelernt, aber nicht nach alter Art an der Hand der Klassiker, sondern ganzwie eine neuere Sprache. Und so wurde auch die Prüfung durchgeführt. Wolke kommandierteden Schülern die Ausführung verschiedener körperlicher Bewegungen, durch die zum Teil auchThätigkeiten der Handwerker nachgeahmt wurden; er ließ hinter die Tafel geschriebene Wörter

„Edukationshandlung."

Faksimile der Radierung von Chodowiecki in Basedows Agathokrator.Originalgröße.