Band 
Zweiter Band.
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Faksimile der Radierung von Salomon Geßner. Originalgröße.

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Zehnter Abschnitt.

Die Aufklärung in Litteratur und Aunst.

)Iuch den idealen Richtungen menschlichen Strebens sollte im Zeitalter der „Aufklärung"ihr Recht werden. Schöne Litteratur und Kunst sind zwar ohne Tendenz; aber in jenerPeriode begeisterten Vorwärts- und Emporstrebens nach Licht und Freiheit war eine bestimmteGrenze zwischen einem Wirken mit und ohne Tendenz nicht zu ziehen. Alles, was damalsim Dienste geistiger Aufgaben lebte und webte, bestrebte sich, wenn auch mit ungleichem Ge-lingen, der Aufklärung im edeln Sinne seine Kräfte zu leihen. Und wie sich die deutscheWissenschaft jener Zeit aus eigener Kraft, ohne der Fürstengunst zu genießen, zu dem univer-salen Geiste eines Kant emporgerungen hat, so gelang dies auch der deutschen Dichtung. DerMonarch, welcher durch seine Thaten in Krieg und Frieden so kräftig wie kein anderer demStillstände von Jahrhunderten ein Ende gemacht, jener erste deutsche Fürst, der ohne konfessio-nelle Vorurteile war, welchen die deutschen Dichter seiner Zeit selbstlos und ohne Erwartungeines Dankes feierten, — er blieb den Eindrücken seiner Jugend treu, die aus damaligergermanischer Derbheit in das blendende, aber festen Grundbaues ermangelnde Zauberschloß dereleganten Litteratur Frankreichs geflohen war. So seltsam dem gegenüber es scheinen mag,so hegte Friedrich der Große doch den aufrichtigen Wunsch, daß die deutsche Litteratur sichaus dem Zustande des Verfalles, in welchem er sie vorfand, erhöbe. Und dennoch bemerkteer nicht, daß während seiner Regierungsdauer wirklich neues Leben im litterarischen Deutsch-land erwachte, daß es zu mächtigem Schaffen emporwuchs und in dieser Periode alles hintersich ließ, was Neu-Gallien vorher und nachher geleistet: Friedrich sah das nicht oder gab sichnicht die Mühe, davon Kenntnis zu nehmen, weil er, der einen Shakespeare zu den „Wilden"warf, in dem Großen, das sich unter Deutschlands Musenjüngern vorbereitete, einen allzu weitenAbstand von dem wahrnahm, was er in seiner ihm anerzogenen und mit seinem Wesenverschmolzenen litterarischen Anschauung, d. h. in blinder Bewunderung des französischen Par-nasses, für „klassisch" hielt. In seiner 1780 erschienenen Schrift „äs Is. littsraturs altsmauäs"