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Zweiter Band.
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Sechstes Buch. I. Sturm und Drang.

himmlisch, göttlich". Selbst Aufgeklärte und Frivole fühlten sich von ihm hingerissen; Wieland,Basedow und Goethe waren seine Freunde; Fürsten, Edelleute und berühmte Personen wall-fahrteten nach seinem bescheidenen Pfarrhause, und eine Reise, welche er durch Deutschlandmachte, glich einem Triumphznge. Dieser Erfolg machte ihn indessen eitel und streitbar.Lavater bekämpfte die Aufklärung leidenschaftlich und suchte Mendelssohn zum Christentum zubekehren. Die Aufgeklärten erwiderten seine Angriffe und nannten ihn einen Kryptokatholikenoder heimlichen Jesuiten. War er dies auch nicht, so trat er doch in Verbindung mit Teufels-bannern, Geistersehern und Wunderärzten, welche teilweise als Betrüger entlarvt wurden.Von höchster Eigenart ist jedoch sein Auftreten mit der Erfindung einer angeblichen Wissen-schaft, der Physiognomik, die in dem Wahne beruhte, aus den Gesichtszügen auf den

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I. Casp. Lavater, Felix Hess und Heinrich Füeßli bey Spalding zu Barth in Schwedisch-Pommern im Jahr 1763.

„Es war im Frühling des bemeldeten Jahres, da diese nachmals so berühmt gewordenen drey schweizerischen Jünglinge (Lavaterwar 21 Jahr alt) den ehrwürdigen Spalding besuchten, und sind dieselben hier nebst dessen Kindern und dem Herrn von Arnimauf Suckow, Spaldings Freunde, beym Frühstück vorgestellt. Füeßli malte (1763) dies Bild zum dankbaren Angedenken aus dieRückwand einer Sommerlärche in Spaldings Garten zu Barth, von wo es bey dessen Berufung nach Berlin dahin gebracht wurde,und bis jetzt (1810) in der Probstey der Nicolai-'Kirche, oder dem jetzigen Lonisen-Stiste, aufbehalten wird."

Charakter der Menschen und aus den Kopfformen der Tiere sogar aus deren Eigenschaftenschließen zu können. Er suchte diese Ansichten in einem illustrierten Prachtwerke von vierQuartbänden (1775—1778) zu begründen und gewann damit viele Gläubige. Er wurde mitZuschriften und Sendungen von Bildnissen zur Deutung überhäuft, erntete aber auch vielSpott und Hohn, den der geistvolle Professor Lichtenberg in Göttingen auf die Spitze trieb.Die Silhouetten wurden damals Mode; aber die Zeit warf diesen bestechenden Flitter zurSeite. Lavater war übrigens ein patriotischer Schweizer und darum den Franzosen, welcheim Jahre 1798 auf ihre Weise sein Vaterland zu befreien vorgaben, ein Dorn im Auge; einfranzösischer Soldat schoß auf ihn, infolgedessen er am zweiten Tage unseres Jahrhunderts starb.

Als Gegenstück zu Lavaters Physiognomik entstand fast gleichzeitig deren „Verknöcherung",die Schädellehre oder Kraniologie — heute Phrenologie genannt — des Franz Josef Gall