Der Freimaurerbund. Die Gold- und Rosenkreuzer.
375
in Menge auf und mißbrauchten den harmlosen Alten-grottkau oder suchten ihn zu verdrängen und die Thor-heiten der gradsüchtigen Brüder auszubeuten. Selbst einLessing glaubte an ihre Fabeln, wie sein „Ernst undFalk" zeigt. Einer dieser Betrüger, namens Leuchte,wurde indessen entlarvt und auf der Wartburg in dasehemals von Luther bewohnte Zimmer eingesperrt, woer im Jahre 1775 starb. Die „Templer von der striktenObservanz", wie sie sich nannten, führten lateinischeNamen, und ihre Ceremonien hatten einen durchauskirchlich-katholischen Charakter. Sechsundzwanzig deutscheFürsten gehörten dem „Orden" an, der sein eingebildetesWeltreich in Provinzen, Priorate, Komtureien u. s. w.einteilte. Hund wurde das Opfer seiner Schwärmerei:als er sein Vermögen durch dieselbe verloren, ließ manihn fallen und wählte den Herzog Ferdinand von Braun-schweig zum Großmeister. Endlich wurde auf dem Kon-vent in Wilhelmsbad hei Hanau im Jahre 1782 auchdie strikte Observanz aufgelöst, und der größte Teil derdeutschen Maurer kehrte nunmehr zu den früheren ein-facheren Formen und rein humanen Bestrebungen desBundes zurück.
Inzwischen hatten sich jedoch aus sreimaurerischenund klerikalen Elementen andere Orden gebildet, diemit den Maurern, wenigstens offiziell, nicht mehr zu-sammenhingen. So um 1760 die „Gold- und Rosen-kreuzer", welche von dem älteren Orden dieses Namens(S. 60) abzustammen behaupteten. Sie beschäftigten sichnamentlich mit Goldmacherei und brachten die Alchemiewieder in die Mode; wahrscheinlich aber waren sieWerkzeuge der Jesuiten, arbeiteten für deren Zwecke undsuchten die Freimaurer römischen Tendenzen dienstbarzu machen, wie ihre hierarchische Organisation in neunGraden, mit katholisierenden Ceremonien und lateinischenNamen der Mitglieder ziemlich deutlich bezeugt. EinAgitator dieses Ordens war der Leipziger KaffeewirtJohann Georg Schrepfer aus Nürnberg, welcher inseiner Schenke vor Versammlungen bethörter Leicht-gläubiger Geister erscheinen ließ, deren Rolle seine Frauund sein Kellner spielten. Er ließ auch im Palaste desHerzogs von Kurland in Dresden, welcher ihn einst alsBetrüger auf der Wache hatte durchprügeln lassen, dannaber sein Anhänger geworden war, den Geist des „Mar-schalls von Sachsen" vor seinen Getreuen erscheinen.Als Schrepfer am Rande des Ruins stand, erschoß ersich im Jahre 1774 im Rosenthal bei Leipzig. Er hatteals Apostel der neuen „Gold- und Rosenkreuzer" denpreußischen General Johann Rudolf von Bischoffs-werder, der Schrepfers Schüler gewesen, und denpreußischen Minister Johann Christoph Wöllner ge-wonnen. Dieselben beurkundeten den Geist des Ordensdadurch, daß sie unter Friedrich Wilhelm II., dem
Berliner Trachten im 18 . Jahrhundert.Faksimiles der Radierungen von Daniel Chodowiecki.Originalgröße.