Goethes und Schillers Freundschaft.
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losigkeit, die erste Anregung zur späteren Wiedererhebung der Deutschen, die hier zum ersten-male seit Friedrichs fast vergessenen Siegen daran erinnert wurden, daß auch ihnen kriegerischeKraft innewohne, nicht nur den zügellosen, ganz Europa niedertretenden Franzosen. Es warwie ein Ruf nach einem neuen Wallenstein.
Ein Schritt noch weiter, ein geharnischter Protest gegen die Fremdherrschaft, die demVaterlande drohte, war des in übermäßiger Arbeit sich selbst verzehrenden kranken DichtersSchwanengesang „Wilhelm Dell". In diesem hohen Liede der Freiheit führten die Welt-ereignisse Schiller zu seinem Jugendideal der Freiheit zurück, nicht aber in der revolutionärenGestalt, wie sie Johannes Parricida vertritt, sondern in der aus dem Schweizerhelden sprechen-den maßvollen Form der Freiheit altgermanischer Volksgemeinden. Der „Dell" war eineVorahnung der Befreiungskämpfe, die kein Jahrzehnt nach seinem Erscheinen sich erhoben.
„Wallenstein" war 1799 auf der Bühne erschienen; in demselben Jahre siedelte Schillernach Weimar über; 1803, Ende August, begann er die Arbeit am „Dell", die er 1804 imFebruar vollendete.
Von diesen beiden klassischen Verherrlichungen deutschen Geistes und deutscher Kraft stechenseltsam ab die zwischen ihnen entstandenen drei Frauendramen „Maria Stuart", „die Jung-frau von Orleans" und „die Braut von Messina" durch ihren starken Zug zu katholisierend-romantischer Tendenz, die doch dem Dichter fern lag. Die romantische Schule hatte ihr Wesenzu treiben begonnen; umsonst zeigte ihr Schiller, wie ihre Ideale mit künstlerischer Kraft undschönem Ebenmaß zu verwerten wären. Ebenso vergeblich versuchte er in der „Braut vonMessina" den antiken Chor und das qptike Schicksal dem modernen Bewußtsein wieder nahezu bringen. Die künstlichen Schöpfungen haben sich den natürlichen gegenüber in keiner Weisebehaupten können.
Schillers Dramen von „Wallenstein" bis „Tell" sind Kunstwerke von der höchsten klassischenReinheit. Es ist zu zweifeln, ob sein Geist noch höher steigen konnte; die Anstrengung hatihn aber dennoch viel zu früh schon aufgerieben. Am 10. Mai 1805, ein Jahr vor demrühmlosen Ende des alten Reiches, ließ er in der deutschen Dichterwelt eine besonders vonGoethe schmerzlich empfundene Lücke zurück; — ein Stern war untergegangen. Die Klassikder Deutschen war mit ihm erloschen; Goethe wandte sich der Mystik zu und ließ sich denWeihrauch der Romantiker, dieser Stürmer und Dränger in umgekehrtem Sinne, gefallen.Mit dem alten Reiche endete aber auch der Geist, welcher sich während des achtzehnten Jahr-hunderts in ihm entwickelt hatte. —
Auch die klassische Blütezeit der Deutschen hatte ihre Geister geringeren Grades, wennschon anerkennenswerten Strebens. Maximilian Kling er (S. 379, 382) überwand in Ruß-land den Sturm und Drang, dem er den Namen gegeben hatte; er bewahrte dort nicht nursein Deutschtum, sondern schuf auch seine in der halbbarbarischen Umgebung von erklärlichempessimistischen Hauche durchwehten philosophischen Romane, welche nach seiner Absicht ein Ge-samtbild menschlichen Strebens und Leidens enthalten und den Kampf außerordentlicher,ungebeugter und mutvoller Menschen gegen die Widerwärtigkeit des Schicksals und die Schlech-tigkeit des Glaubenshasses und der Unterdrückung darstellen sollten. Johann Paul FriedrichRichter (1763—1825), ein Sohn des Fichtelgebirges, schrieb unter dem Namen „JeanPaul" jene zu seiner Zeit bewunderten, heute aber völlig ungenießbar gewordenen humoristisch-sentimentalen Romane, in denen er in eigentümlich schillerndem Stil und ermüdender Breitenebelhafte Gestalten ohne wirkliche gesunde Grundlage schwärmen und phantasieren ließ. Inallem aber, was er hervorbrachte, verriet Jean Paul ein an den Leiden der Mitmenschen tiefteilnehmendes Herz. Höher als seine Romane indessen stehen seine Gedanken über Erziehung,nicht der Schule, sondern des Lebens von der Geburt an, die er in dem „Levana" betiteltenPädagogischen Werke, welches das reinste, sittlichste Gemüt ohne jede religiöse Vorurteile ent-hüllt, niedergelegt hat. Der titanische Dichter des „Hyperion", eines neugriechischen Werther,Friedrich Hölderlin, verfiel in frühen Wahnsinn. Der Magdeburger Heinrich Zschokke(1771—1848), ein eingebürgerter Schweizer, entwickelte in seinen einst geschätzten Erzählungenfarbenreichen gesunden Realismus; ebenso Peter Hebel in seinen köstlichen „alemannischen