Umschwung in der Philosophie.
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Seminarien rühren von ihm her. Seine Gesinnungsgenossen Friedrich Gedike, LudwigMeierotto und Ferdinand Bernhardt schufen die Berliner Gymnasien zu Musteranstaltenum; anderwärts war die Nachfolge langsamer. Auf eine noch höhere Stufe führte HcynesWerk der Thüringer Friedrich August Wolf (1759—1824), der als Professor in Halle wirkte,und der erste wissenschaftliche Kritiker des Ursprungs der homerischen Gedichte war. WasHeyne geahnt, das erschuf dann Wolf: die Altertumswissenschaft als harmonisches Lehrsystem,in welchem die Geographie, Geschichte, Mythologie, Kunst-, Litteratur- und Kulturgeschichte,Münz-, Inschriften- und Denkmälerkunde des klassischen Altertums allzumal einen Platz fanden.Durch sein im Jahre 1787 eröffnetes philologisches Seminar emancipierte er die Philologievon der Theologie und erhob sie aus einer Vorbereitung zur letzteren zu einer selbständigenWissenschaft. Auch entwarf er den Studienplan für die Gymnasien in der Weise, in welcherer für Deutschland im wesentlichenheute noch fortbesteht. Wolfs bedeu-tendste Nachfolger waren GottfriedHermann und August Böckh. Letz-terer stand philologischer Einseitigkeitso fern, daß er der gleichberechtigtenBehandlung der Geschichte, Mathe-matik und Muttersprache neben denantiken Studien an den Gymnasienoffen das Wort redete. Alle großenMänner jener Zeit haben diesen viel-seitigen Standpunkt der Versöhnungzwischen theoretischem und praktischemWissen geteilt.
Selbst auf das Gebiet der strengin sich beharrenden katholischen Kirchewirkte der um die Wende des Jahr-hunderts waltende humane und mildeGeist ein. Es handelte sich nichtmehr um die bureaukratische Maß-regelung der Kirche, zu welcher seinEifer für das Landeswohl einen soedeln Geist wie Kaiser Josef II. hin-gerissen hatte. Im Inneren der Kircheselbst traten zur Zeit des Hinsterbens des alten Reiches Tendenzen zu Tage, die, wären sienicht gewaltsam unterdrückt worden, herrliche Früchte tragen und heiße Kämpfe späterer Zeithätten verhüten können. Es war allerdings nur ein Bistum, aber eines der umfangreichsten,Konstanz nämlich, zu dessen Sprengel der größte Teil Südwest-Deutschlands und derdeutschen Schweiz gehörte, wo damals ein edler Mann und reiner Priester, Heinrich Freiherrvon Wessenberg (1774—4860), der hier als Stellvertreter des Erzbischofs-Koadjutors vonMainz, des toleranten und wohlthätigen, aber in der Politik sehr wankelmütigen Karl Theodorvon Dalberg, die Verwaltung führte, den Geist eines milden und gebildeten Katholizismusgeltend zu machen versuchte. Das bisherige hochfahrende Wesen der höheren gegenüber derniederen Geistlichkeit wich freundlicher und väterlicher Behandlung. An die Stelle geistlosenFormendienstes trat tiefe christliche Frömmigkeit. Auf wissenschaftliche Berufsbildung dervorher vielfach unwissenden Geistlichkeit wurde ein Hauptaugenmerk gerichtet. Das Priester-seminar in Meersburg erfuhr zu diesem Zwecke eine durchgreifende Umgestaltung. Um dieGeistlichen zu besserer Erkenntnis ihres Berufs zu leiten, wurden Pastoralkonferenzen an-geordnet, welche Verbesserungen im Kirchcnwesen vorschlagen durften. Preisfragen wurdenausgeschrieben und für die Bewerber um Pfründen Prüfungen eingeführt. Auch auf dasVolksschulwesen erstreckte der unermüdliche Wessenberg feine Thätigkeit und wies die Geistlichen
Lehmssiegel im Frankfurter Gebiete des Fürstprimas von Dalberg.Nach einem Abdruck im Königl. Geh. Staatsarchiv zu Berlin.